Warum immer mehr Menschen an gleiche Maßstäbe nicht mehr glauben
Satire soll provozieren. Sie soll Mächtige herausfordern, Tabus brechen und Debatten anstoßen. Doch was passiert, wenn nicht mehr der Inhalt entscheidet, sondern die politische Zielrichtung? Genau hier beginnt das Problem.
Deutschland rühmt sich seiner Meinungs- und Kunstfreiheit. Kabarettisten und Satiriker genießen zu Recht einen weiten Spielraum. Schließlich lebt eine Demokratie davon, dass auch scharfe Kritik ausgehalten wird. Doch dieser Grundsatz wirkt zunehmend selektiv.
Entsteht der Eindruck, dass Satire gegen die AfD nahezu grenzenlos akzeptiert wird, während vergleichbare Zuspitzungen gegen andere politische Lager oder gesellschaftlich besonders geschützte Gruppen deutlich schärfere Reaktionen hervorrufen, ist Kritik an dieser Wahrnehmung nachvollziehbar. Nicht der Witz scheint dann entscheidend zu sein, sondern das politische Ziel.
Genau deshalb stellen sich viele Menschen eine einfache Frage: Hätte ein Kabarettist wie Uwe Steimle dieselbe Satire über AfD-Mitglieder gemacht – wäre daraus ein bundesweiter Skandal geworden? Oder hätte man erklärt, Satire müsse eben provozieren und dürfe überspitzen?
Diese Frage lässt sich nicht mit Sicherheit beantworten. Doch sie offenbart ein wachsendes Misstrauen. Immer mehr Bürger gewinnen den Eindruck, dass in Deutschland mit zweierlei Maß gemessen wird. Nicht dieselben Regeln gelten für alle, sondern unterschiedliche Maßstäbe – abhängig davon, wen eine Satire trifft.
Eine Demokratie darf sich diesen Eindruck nicht leisten. Denn Vertrauen entsteht nur dort, wo Gleichbehandlung sichtbar wird. Wenn Kunstfreiheit nur dann kompromisslos verteidigt wird, wenn sie die „richtigen“ politischen Gegner trifft, verliert sie ihre Glaubwürdigkeit. Freiheit nach politischer Opportunität ist keine Freiheit mehr.
Besonders problematisch wird es, wenn öffentliche Debatten den Eindruck vermitteln, dass Empörung planbar geworden ist. Gegen den einen richtet sich lauter Protest, gegen den anderen demonstrative Gelassenheit. Für die einen wird maximale Toleranz eingefordert, für die anderen maximale Empörung. Ein solcher Eindruck spaltet die Gesellschaft mehr als jede Satire selbst.
Niemand muss jeden Witz gut finden. Niemand ist verpflichtet, über jede Provokation zu lachen. Doch dieselben rechtlichen und gesellschaftlichen Maßstäbe müssen für alle gelten. Kunstfreiheit kennt kein Parteibuch.
Endbewertung
Nicht Satire gefährdet die Demokratie. Gefährlich wird es erst, wenn Bürger den Eindruck gewinnen, dass Meinungs- und Kunstfreiheit unterschiedlich ausgelegt werden – je nachdem, wen eine Pointe trifft. Wer Freiheit glaubwürdig verteidigen will, muss sie auch dann verteidigen, wenn ihm die politische Botschaft nicht gefällt. Andernfalls bleibt vom Anspruch gleicher Rechte nur noch ein politischer Doppelstandard übrig.
Gemeinsam für die Region
ich bin ein unabhängiger Freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Region Südpfalz.
- Ich berichte über das, was vor Ort passiert – offen, kritisch und nah an den Menschen.
- Ich arbeite ohne Zwangsgebühren, ohne Steuergelder und ohne finanzielle Großsponsoren.
- Was ich tue, tue ich für die Gesellschaft – und nur mit Ihrer Unterstützung.
"Unterstützen Sie mich, damit unsere Region weiterhin eine starke, unabhängige Stimme hat."
1000 Dank!
Ihr Südpfalzreporter André Braselmann
PayPal • whydonate
