Jens Spahn und die Leihmutterschaft

Jens Spahn und die Leihmutterschaft

Moral für andere, Ausnahmen für sich selbst?

Jens Spahn, Leihmutterschaft, Doppelmoral – drei Begriffe, die derzeit untrennbar miteinander verbunden sind. Denn wer 2020 als Bundesgesundheitsminister die Leihmutterschaft aus ethischen Gründen ablehnte und Jahre später selbst mithilfe einer Leihmutter in den USA Vater wird, muss sich eine unbequeme Frage gefallen lassen: Wie glaubwürdig sind politische Überzeugungen, wenn sie enden, sobald die eigenen Wünsche beginnen?

Damals war die Botschaft eindeutig. Leihmutterschaft sei mit erheblichen ethischen Problemen verbunden und solle in Deutschland nicht erlaubt werden. Diese Haltung wurde öffentlich vertreten und politisch begründet.

Heute zeigt sich ein anderes Bild. Zwar fand die Leihmutterschaft legal in den USA statt, doch die grundlegenden ethischen Fragen, die einst gegen dieses Modell ins Feld geführt wurden, verschwinden nicht einfach an der deutschen Landesgrenze.

Genau hier beginnt das Glaubwürdigkeitsproblem. Wer ein Verfahren aus moralischen Gründen für das eigene Land ablehnt, es aber selbst im Ausland nutzt, sendet ein fragwürdiges Signal: Was für die Allgemeinheit nicht richtig sein soll, scheint für die eigene Lebensplanung plötzlich akzeptabel zu sein.

Niemand stellt Jens Spahn das Recht auf Familie oder persönliches Glück infrage. Doch Spitzenpolitiker müssen sich daran messen lassen, ob ihr Handeln mit ihren öffentlich vertretenen Grundsätzen übereinstimmt. Wer moralische Maßstäbe formuliert, kann sich nicht darauf berufen, dass eine private Entscheidung von politischer Kritik ausgenommen sein müsse.

Immer wieder beklagen Politiker den Vertrauensverlust in die Demokratie. Dabei tragen sie selbst Verantwortung dafür, dieses Vertrauen zu stärken. Worte und Taten müssen zusammenpassen. Andernfalls entsteht der Eindruck, dass politische Prinzipien nur so lange gelten, wie sie einen persönlich nicht einschränken.

Der Fall Jens Spahn ist deshalb weit mehr als eine private Familiengeschichte. Er ist ein Lehrstück darüber, wie schnell politische Glaubwürdigkeit Schaden nimmt, wenn zwischen öffentlicher Haltung und privatem Handeln eine deutliche Diskrepanz entsteht.

Zusammenfassung

Wer ethische Argumente gegen die Leihmutterschaft vorträgt und später selbst auf dieses Modell im Ausland zurückgreift, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, mit zweierlei Maß zu messen. Vertrauen in die Politik entsteht nicht durch Sonntagsreden, sondern durch Konsequenz – gerade dann, wenn es persönlich unbequem wird.

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