Omas gegen Rechts und Fake News: Wenn politische Aktivisten selbst auf Falschmeldungen hereinfallen

Omas gegen Rechts und Fake News: Wenn politische Aktivisten selbst auf Falschmeldungen hereinfallen

Fake News gegen Rechts? Wenn die Fakten plötzlich egal sind – Omas gegen Rechts und die peinliche Klobürsten-Lüge

Sie warnen vor Desinformation. Sie kämpfen angeblich für Wahrheit, Demokratie und den richtigen Umgang mit Fakten. Sie erklären anderen regelmäßig, wie gefährlich Fake News sind und wie wichtig es sei, Behauptungen kritisch zu prüfen.

Doch was passiert eigentlich, wenn eine Falschmeldung perfekt in das eigene politische Weltbild passt?

Dann wird offenbar geteilt.

Der Fall um die angebliche IKEA-Klobürste, die nach dem AfD-Politiker Björn Höcke benannt worden sein soll, zeigt exemplarisch, wie schnell politische Wunschvorstellungen wichtiger werden können als die Wahrheit. Die Geschichte war frei erfunden. Die angebliche Produktbezeichnung existierte nicht. Trotzdem verbreitete sich der Fake im Internet – und wurde offenbar auch von Menschen weitergetragen, die ansonsten besonders lautstark vor Fake News warnen.

Und genau darin liegt das eigentliche Problem.

Fake News bleiben Fake News – auch wenn sie gegen den politischen Gegner gerichtet sind

Eine Falschmeldung wird nicht plötzlich zur Wahrheit, nur weil sie sich gegen die AfD richtet.

Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Doch in den sozialen Netzwerken scheint zunehmend eine andere Regel zu gelten: Wenn die Meldung politisch passt, wird erst einmal geteilt. Prüfen kann man später. Oder gar nicht.

Die angebliche IKEA-Klobürste ist dafür ein geradezu absurdes Beispiel. Eine erfundene Produktgeschichte, offensichtlich darauf angelegt, einen politischen Gegner lächerlich zu machen, wird verbreitet – und plötzlich läuft genau jener Mechanismus, vor dem dieselben Akteure sonst ständig warnen.

  • Ein Bild.
  • Eine Behauptung.
  • Ein paar Likes.
  • Ein paar empörte Kommentare.

Fertig ist die nächste Fake-News-Karussellfahrt.

Omas gegen Rechts: Gegen Desinformation – solange sie von den Richtigen kommt?

Natürlich darf und soll man politische Gegner kritisieren. Man darf Björn Höcke ablehnen. Man darf die AfD kritisieren. Man darf über politische Positionen streiten, demonstrieren und auch satirisch zuspitzen.

Aber dann bitte ehrlich.

Satire muss als Satire erkennbar sein. Manipulierte Bilder müssen als solche gekennzeichnet werden. Und frei erfundene Geschichten dürfen nicht als Tatsachen in den sozialen Netzwerken verbreitet werden.

Wer für sich beansprucht, gegen Hass, Hetze und Desinformation zu kämpfen, sollte bei den eigenen Beiträgen mindestens denselben Maßstab anlegen wie bei denen des politischen Gegners.

Denn Glaubwürdigkeit funktioniert nicht nach Parteibuch.

Man kann nicht morgens erklären, wie gefährlich Fake News für die Demokratie sind, und nachmittags eine erfundene Geschichte teilen, weil sie gerade so wunderbar gegen die AfD passt.

  • Das ist keine Medienkompetenz.
  • Das ist politische Bequemlichkeit.

Die gefährlichste Lüge ist oft die, die man gerne glauben möchte

Fake News funktionieren besonders gut, wenn sie bestehende Vorurteile bestätigen.

Genau deshalb ist die angebliche IKEA-Klobürste mehr als nur eine kuriose Internetgeschichte. Sie zeigt ein grundsätzliches Problem der politischen Debatte: Viele Menschen prüfen Informationen nicht danach, ob sie wahr sind.

Sie prüfen sie danach, ob sie in das eigene Weltbild passen.

  • Passt die Geschichte zur eigenen Meinung, wird geteilt.
  • Passt sie nicht, ist sie plötzlich Desinformation.

So entsteht eine gefährliche Doppelmoral. Fake News sind dann offenbar nur dann ein Problem, wenn sie von der anderen Seite kommen. Kommen sie aus der eigenen politischen Blase oder richten sich gegen den politischen Gegner, wird großzügig weggeschaut.

Dabei sollte gerade das Gegenteil gelten.

Wer politische Verantwortung für sich beansprucht, muss Informationen prüfen – unabhängig davon, wem sie nutzen oder schaden.

Demokratie braucht Fakten – keine Wunschmeldungen

Eine demokratische Gesellschaft kann politische Auseinandersetzungen aushalten. Unterschiedliche Meinungen sind kein Problem. Harte Kritik ist kein Problem.

Das eigentliche Problem beginnt dort, wo die gemeinsame Grundlage der Wahrheit verloren geht.

Wenn jeder nur noch die Geschichten glaubt, die ihm politisch gefallen, spielt es irgendwann keine Rolle mehr, ob etwas stimmt oder nicht. Hauptsache, der politische Gegner sieht schlecht aus.

Und genau dann wird Desinformation zur Waffe.

  • Nicht nur von anonymen Trollkonten.
  • Nicht nur von dubiosen Internetseiten.

Sondern auch von ganz normalen Nutzern, Aktivisten und politischen Gruppen, die überzeugt sind, auf der richtigen Seite zu stehen.

Der Kampf gegen Fake News beginnt deshalb nicht beim politischen Gegner.

Er beginnt beim eigenen Teilen-Button.

Schluss mit der Doppelmoral bei Fake News

Der Fall der angeblichen IKEA-Klobürste sollte eine einfache Lehre haben:

Eine Lüge bleibt eine Lüge – auch wenn sie gegen den politischen Gegner gerichtet ist.


Wer andere permanent über Fake News belehrt, sollte besonders vorsichtig sein, selbst nicht auf erfundene Geschichten hereinzufallen und diese weiterzuverbreiten.

Denn Demokratie braucht keine politisch passenden Lügen.

Sie braucht Menschen, die bereit sind, auch dann bei den Fakten zu bleiben, wenn die Wahrheit gerade nicht in die eigene politische Erzählung passt.

Vielleicht sollten manche deshalb vor dem nächsten empörten Teilen einfach einmal kurz innehalten.

Und sich eine einzige Frage stellen:

Ist das wirklich wahr – oder will ich nur, dass es wahr ist?

André Braselmann

Ich bin unabhängiger freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Südpfalz.

  • Ich berichte über Ereignisse, Menschen und Entwicklungen aus unserer Region.
  • Meine journalistische Arbeit finanziert sich nicht durch staatliche Fördermittel.
  • Unabhängiger Journalismus lebt von der Unterstützung seiner Leserinnen und Leser.

Gute Berichterstattung entsteht nicht von selbst. Sie braucht Zeit, Recherche und direkten Kontakt zu den Menschen vor Ort.

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