Weniger Ministerien, weniger Wasserkopf: Deutschland braucht eine schlankere Bundesregierung

Bundesregierung verkleinern: Warum Deutschland weniger Ministerien braucht

Berlin fordert überall Einsparungen – warum fängt die Bundesregierung nicht bei sich selbst an?

Deutschland diskutiert über leere Kassen, steigende Sozialausgaben, Investitionsbedarf und die Frage, wo der Staat noch sparen kann. Bürger und Unternehmen sollen effizienter werden, Verwaltungen sollen digitalisieren und Ausgaben sollen auf den Prüfstand. Eine naheliegende Frage wird dabei viel zu selten gestellt: Muss sich Deutschland tatsächlich diesen umfangreichen Regierungsapparat mit so vielen eigenständigen Ministerien leisten?

Die Bundesregierung führt derzeit 16 Bundesministerien. Hinzu kommt das Bundeskanzleramt; dem aktuellen Kabinett gehören neben Bundeskanzler Friedrich Merz 17 Bundesministerinnen und Bundesminister an, darunter die Bundesministerin für besondere Aufgaben und Chefin des Bundeskanzleramtes. (Bundesregierung.de)

Eine ernsthafte Staatsmodernisierung müsste deshalb auch vor den Türen der Ministerien nicht haltmachen.

Warum zwei Apparate, wenn Aufgaben eng zusammenhängen?

Ein mögliches Reformmodell könnte beispielsweise so aussehen:

  • Finanzen sowie Wirtschaft und Energie könnten in einem Bundesministerium für Wirtschaft und Finanzen gebündelt werden.
  • Inneres sowie Justiz und Verbraucherschutz könnten unter einem gemeinsamen Dach organisiert werden – wobei wegen der unterschiedlichen Funktionen von Innen- und Rechtspolitik besondere organisatorische Sicherungen notwendig wären.
  • Verkehr sowie Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen könnten zu einem großen Infrastrukturministerium werden.
  • Arbeit und Soziales sowie Gesundheit könnten in einem Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit zusammengeführt werden.
  • Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sowie Teile des Umweltressorts könnten stärker gebündelt werden.
  • Auch bei Bildung, Familie, Forschung und Technologie ließe sich prüfen, ob die gegenwärtige Aufteilung tatsächlich die effizienteste Organisationsform ist.

Und selbst beim erst 2025 geschaffenen Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung müsste die Frage erlaubt sein, ob Digitalisierung tatsächlich ein eigenes Ministerium benötigt oder als zentrale Querschnittsaufgabe direkt im Bundeskanzleramt beziehungsweise in einem anderen Ressort angesiedelt werden könnte. Das Digitalministerium wurde erst durch den Organisationserlass vom 6. Mai 2025 geschaffen; gleichzeitig wurden zahlreiche Zuständigkeiten zwischen bestehenden Ministerien verschoben. (Gesetze im Internet)

Das zeigt: Der Zuschnitt der Ministerien ist keineswegs in Stein gemeißelt.

Weniger Minister bedeuten allerdings nicht automatisch Milliardenersparnisse

Wer seriös über eine solche Reform diskutiert, muss einen wichtigen Unterschied machen: Ein Ministerium abzuschaffen bedeutet nicht, dass dessen Aufgaben verschwinden.

Gesetze müssen weiterhin vorbereitet, Förderprogramme verwaltet, Behörden beaufsichtigt und staatliche Leistungen organisiert werden. Auch ein zusammengelegtes Ministerium braucht Fachpersonal.

Die eigentliche Sparchance liegt deshalb woanders: in der konsequenten Zusammenlegung von Doppelstrukturen.

Zwei Ministerien benötigen jeweils eigene Leitungsbereiche, Verwaltungsstrukturen und organisatorische Einheiten. Bei einer echten Fusion könnte geprüft werden, welche Strukturen bei Personalverwaltung, Beschaffung, IT, Kommunikation, Gebäudemanagement oder Leitung tatsächlich doppelt vorhanden sind.

Dass solche organisatorischen Veränderungen auch Personal- und Sachmittel betreffen, zeigt sogar der Organisationserlass von 2025. Bei Zuständigkeitsübertragungen werden Stellen sowie Personal- und Sachmittel zwischen den Ressorts verschoben; für zusätzliches Overhead-Personal nennt der Erlass feste Quoten. (Gesetze im Internet)

Genau dort müsste eine Sparreform ansetzen.

Nicht einfach Türschilder austauschen, sondern Strukturen zusammenführen.

Deutschland könnte mit deutlich weniger Ressorts regiert werden

Ein schlankeres Modell könnte beispielsweise mit acht großen Fachministerien arbeiten:

  1. Wirtschaft und Finanzen
  2. Inneres und Justiz
  3. Außen und internationale Zusammenarbeit
  4. Verteidigung
  5. Arbeit, Soziales und Gesundheit
  6. Bildung, Familie, Forschung und Technologie
  7. Infrastruktur, Verkehr, Bauen und Digitales
  8. Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz

Das wäre zunächst ein Organisationsmodell und noch kein fertiger Regierungsplan. Gerade die Zusammenlegung von Innen- und Justizressort müsste wegen ihrer unterschiedlichen rechtsstaatlichen Funktionen besonders kritisch geprüft werden.

Aber genau diese Diskussion wäre überfällig.

Denn das Grundgesetz schreibt nicht vor, dass Deutschland exakt die heutige Zahl und Aufteilung der Fachministerien besitzen muss. Artikel 65 GG bestimmt unter anderem, dass jeder Bundesminister seinen Geschäftsbereich innerhalb der Richtlinien des Bundeskanzlers selbstständig und eigenverantwortlich leitet. (Gesetze im Internet)

Wie Ressorts zugeschnitten werden können, zeigen die zahlreichen organisatorischen Veränderungen vergangener Bundesregierungen.

Staatsmodernisierung darf nicht nur ein Schlagwort sein

Besonders bemerkenswert ist die politische Botschaft hinter dem heutigen Ressort für Digitales und Staatsmodernisierung.

Deutschland besitzt mittlerweile ein eigenes Ministerium, das sich unter anderem mit Staatsmodernisierung beschäftigt.

Eine der konsequentesten Formen der Staatsmodernisierung wäre jedoch, den Staat selbst auf unnötige Doppelstrukturen zu untersuchen.

  • Welche Abteilungen werden mehrfach benötigt?
  • Welche Verwaltungsaufgaben könnten zentral erledigt werden?
  • Welche Ministerien könnten zusammengelegt werden?
  • Welche Leitungsebenen könnten entfallen?
  • Und welche Aufgaben gehören überhaupt noch auf die Bundesebene?

Diese Fragen wären wesentlich interessanter als die nächste Debatte darüber, an welcher Stelle Bürger oder Unternehmen zusätzlich belastet werden können.

Ein schlanker Staat muss bei seiner eigenen Spitze anfangen

Natürlich würde die Zusammenlegung von Ministerien den Bundeshaushalt nicht plötzlich sanieren. Wer das behauptet, macht es sich zu einfach.

Aber darum geht es auch nicht allein.

Es geht um ein Prinzip.

Ein Staat, der von Bürgern und Unternehmen Effizienz verlangt, sollte dieselben Maßstäbe an seine eigene Organisation anlegen.

Eine Bundesregierung mit weniger Ministerien, weniger Doppelstrukturen und stärker gebündelten Zuständigkeiten wäre deshalb eine Reform, die zumindest ernsthaft geprüft werden sollte.

Nicht weil dadurch über Nacht sämtliche Haushaltsprobleme verschwinden würden.

Sondern weil Staatsmodernisierung dort glaubwürdig beginnt, wo der Staat bereit ist, auch die eigene Struktur infrage zu stellen.

Kommentar des Südpfalzreporters

Bevor Berlin über die nächste Steuererhöhung, neue Abgaben oder weitere Belastungen diskutiert, sollte die Politik einmal den Rotstift am eigenen Organigramm ansetzen.

16 Bundesministerien sind kein Naturgesetz. (Bundesregierung.de)

Deutschland braucht nicht für jedes politische Themenfeld einen eigenen Ministerposten samt eigenständigem Apparat. Was Unternehmen seit Jahren zugemutet wird – Prozesse verschlanken, Zuständigkeiten bündeln und Verwaltungskosten reduzieren – muss auch für die Bundesregierung gelten.

Wer einen schlankeren Staat fordert, sollte nicht bei den Bürgern anfangen.

Sondern in Berlin.

André Braselmann

Ich bin unabhängiger freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Südpfalz.

  • Ich berichte über Ereignisse, Menschen und Entwicklungen aus unserer Region.
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