Brandbrief an die Bundesregierung: Wer die Menschen bei Spritpreisen und Lebenshaltungskosten im Stich lässt, darf sich über den Aufstieg der AfD nicht wundern
Von der Tankstelle direkt in die Wahlkabine – so könnte der politische Weg vieler Bürger inzwischen aussehen.
Denn während in Berlin über politische Strategien, Koalitionsdisziplin und die nächste Wahl diskutiert wird, kämpfen viele Menschen mit einer weitaus banaleren Frage:
Wie soll ich mir mein Leben noch leisten können?
Benzin und Diesel, Lebensmittel, Mieten, Strom, Versicherungen und alltägliche Ausgaben – überall wird der Griff ins Portemonnaie spürbarer.
Und wer auf dem Land lebt und für Arbeit oder Ausbildung auf das Auto angewiesen ist, kann nicht einfach sagen: Dann fahre ich eben weniger.
Was soll ein Auszubildender machen, der jeden Tag zur Arbeit muss?
Was soll ein Arbeitnehmer machen, dessen Arbeitsplatz 40 oder 50 Kilometer entfernt liegt?
Homeoffice ist keine Lösung für einen Handwerker, eine Pflegekraft, einen Monteur oder einen Menschen, der morgens zur Berufsschule fahren muss.
90 Kilometer täglich – und die Tankrechnung fährt immer mit
Nehmen wir einen ganz normalen Fall:
Ein Auszubildender fährt täglich rund 90 Kilometer hin und zurück zwischen Wohnort und Ausbildungsbetrieb beziehungsweise Berufsschule.
Bei rund 20 Arbeitstagen sind das bereits etwa 1.800 Kilometer im Monat.
Das Auto wird damit nicht zum Luxus, sondern zur Voraussetzung dafür, überhaupt zur Arbeit zu kommen.
Und jeder zusätzliche Anstieg beim Kraftstoffpreis wird unmittelbar zur zusätzlichen Belastung.
Das ist die Realität vieler Menschen.
Nicht die Realität von politischen Talkshows.
Nicht die Realität von Parteizentralen.
Sondern die Realität auf Deutschlands Straßen.
Liebe Bundesregierung: Die Menschen können nicht von guten Absichten tanken
CDU/CSU und SPD müssen endlich verstehen, dass politische Kommunikation alleine nicht reicht.
Wer ständig davon spricht, die Bürger entlasten zu wollen, muss irgendwann auch erklären:
Wann kommt diese Entlastung eigentlich auf dem Konto an?
Denn am Ende zählt nicht, was in einem Koalitionsvertrag steht.
Es zählt, was beim Bürger übrig bleibt.
Wenn nach Miete, Strom, Versicherungen, Lebensmitteln und Mobilität immer weniger Geld verfügbar ist, wächst der Frust.
Und dieser Frust verschwindet nicht dadurch, dass man ihn politisch etikettiert.
Und dann wundert man sich über die AfD?
Hier liegt der vielleicht größte Denkfehler der etablierten Politik.
Wenn Menschen das Gefühl bekommen, dass ihre Sorgen ignoriert werden, suchen sie nach Alternativen.
Und genau davon profitiert die AfD.
Das bedeutet nicht, dass jeder AfD-Wähler aus denselben Gründen AfD wählt.
Aber eines sollte CDU/CSU und SPD zu denken geben:
Wer den Bürgern jahrelang erzählt, dass ihre Probleme kompliziert seien, während gleichzeitig die Belastungen steigen, darf sich irgendwann nicht wundern, wenn diese Bürger nach politischen Alternativen suchen.
Die Antwort darauf kann nicht immer lauten:
Die AfD ist gefährlich.
Natürlich muss jede demokratische Partei sich mit politischen Positionen der AfD auseinandersetzen.
Aber mindestens genauso wichtig wäre eine andere Frage:
Warum glauben immer mehr Menschen, dass die etablierten Parteien ihre Probleme nicht mehr lösen?
Wer die AfD schwächen will, muss die Ursachen des Frusts bekämpfen
Das ist eigentlich ganz einfach.
Wenn CDU/CSU und SPD verhindern wollen, dass die AfD weiter an Stärke gewinnt, sollten sie nicht nur über die AfD reden.
Sie sollten dafür sorgen, dass die Menschen wieder Gründe haben, ihnen zu vertrauen.
Das beginnt bei den alltäglichen Dingen.
Sprit muss bezahlbar bleiben.
Arbeit muss sich lohnen.
Ausbildung darf nicht zur finanziellen Belastung werden.
Familien müssen entlastet werden.
Die Lebenshaltungskosten müssen wieder stärker in den politischen Mittelpunkt rücken.
Und vor allem:
Die Politik muss aufhören, die Sorgen der Bürger kleinzureden.
Ein Brandbrief an CDU/CSU und SPD
Deshalb geht dieser Brandbrief direkt an die Verantwortlichen:
Handeln Sie.
- Nicht erst, wenn die nächsten Umfragen dramatisch aussehen.
- Nicht erst drei Monate vor der nächsten Wahl.
- Nicht erst, wenn die nächste Protestwelle durch Deutschland rollt.
Jetzt.
Schaffen Sie spürbare Entlastungen bei den Kraftstoffkosten.
Überprüfen Sie die steuerliche Belastung von Benzin und Diesel.
Entlasten Sie Arbeitnehmer und Auszubildende mit langen Arbeitswegen.
Senken Sie die Belastungen für kleine und mittlere Einkommen.
Und sorgen Sie endlich dafür, dass die Menschen das Gefühl bekommen:
Diese Regierung versteht, wie unser Alltag aussieht.
Demokratie funktioniert nicht nach dem Prinzip: Wählt uns, weil die anderen schlimmer sind
Eine Regierung kann nicht dauerhaft darauf setzen, dass die Bürger aus Angst vor einer anderen Partei automatisch bei den etablierten Parteien bleiben.
Demokratie funktioniert anders.
Man muss sich Vertrauen verdienen.
Und Vertrauen entsteht nicht durch Wahlplakate.
Es entsteht durch Ergebnisse.
Wenn der Bürger an der Tankstelle steht, auf die Preisanzeige schaut und sich fragt, wie er die nächste Tankfüllung bezahlen soll, dann interessiert ihn nicht, welche Partei gerade welche Pressekonferenz abhält.
Er will wissen:
Was tut die Politik für mich?
Die nächste Wahl beginnt an der Tankstelle
Vielleicht sollten CDU/CSU und SPD deshalb einmal weniger auf die politischen Gegner schauen und etwas genauer auf die Menschen.
- Auf den Pendler.
- Auf den Azubi.
- Auf die alleinerziehende Mutter.
- Auf die Familie.
- Auf den Handwerker.
- Auf den Rentner.
- Auf den Arbeitnehmer auf dem Land.
- Auf alle, die jeden Monat rechnen müssen.
Denn irgendwann wird aus Frust eine Entscheidung.
Und diese Entscheidung wird nicht im Kanzleramt getroffen.
Sie wird an der Wahlurne getroffen.
- Noch können CDU/CSU und SPD gegensteuern.
- Noch können sie zeigen, dass Politik Probleme tatsächlich lösen kann.
- Noch können sie Vertrauen zurückgewinnen.
Aber dafür braucht es keine neuen Schlagworte.
Es braucht konkrete Entlastungen.
Denn eines sollte die Bundesregierung niemals vergessen:
Die Menschen wählen nicht nur nach dem, was Politiker versprechen.
Sie wählen auch danach, wie sich ihr Leben unter dieser Politik anfühlt.
Und wenn sich dieses Leben immer teurer anfühlt, wird irgendwann die Frage lauter:
Warum sollte ich eigentlich noch die wählen, die dafür verantwortlich sind?
Die Antwort darauf muss die Bundesregierung liefern.
- Nicht die AfD.
- Nicht die Medien.
- Nicht die Opposition.
Die Bundesregierung selbst.
André Braselmann
Ich bin unabhängiger freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Südpfalz.
- Ich berichte über Ereignisse, Menschen und Entwicklungen aus unserer Region.
- Meine journalistische Arbeit finanziert sich nicht durch staatliche Fördermittel.
- Unabhängiger Journalismus lebt von der Unterstützung seiner Leserinnen und Leser.
Gute Berichterstattung entsteht nicht von selbst. Sie braucht Zeit, Recherche und direkten Kontakt zu den Menschen vor Ort.
