Der Landkreis Germersheim feiert sich für das nächste Millionenprojekt. Rund 2,04 Millionen Euro sollen in den Ausbau und die Sanierung von Radwegen fließen. Das Land Rheinland-Pfalz steuert davon rund 1,35 Millionen Euro bei. Drei Projekte sollen den Radverkehr sicherer und komfortabler machen. So lautet zumindest die offizielle Botschaft.
Doch während Politik und Verwaltung die nächste Erfolgsmeldung veröffentlichen, stellen sich viele Bürger eine ganz andere Frage:
Warum ist für Radwege Geld da, während zahlreiche Straßen im Landkreis seit Jahren in einem teilweise schlechten Zustand sind?
Wer täglich mit dem Auto unterwegs ist, kennt die Realität. Schlaglöcher, abgesackte Fahrbahnen, bröckelnde Fahrbahnränder und sanierungsbedürftige Kreisstraßen gehören vielerorts längst zum Alltag. Gleichzeitig steigen Kfz-Steuern, Kraftstoffabgaben und weitere Belastungen für Autofahrer kontinuierlich.
Natürlich sind sichere Radwege sinnvoll
Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass Radfahrer eine sichere Infrastruktur benötigen. Doch eine ausgewogene Verkehrspolitik muss alle Verkehrsteilnehmer im Blick behalten – und nicht den Eindruck entstehen lassen, dass einzelne Gruppen bevorzugt werden.
Gerade im ländlichen Raum bleibt das Auto für viele Menschen unverzichtbar. Handwerker, Pflegekräfte, Lieferdienste, Pendler oder Familien können ihren Alltag häufig nicht mit dem Fahrrad bewältigen. Sie benötigen funktionierende Straßen. Werden diese über Jahre vernachlässigt, entstehen nicht nur höhere Reparaturkosten für Fahrzeuge, sondern am Ende auch deutlich höhere Sanierungskosten für die öffentliche Hand.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Förderprogramme bestimmen häufig, wofür Geld ausgegeben wird. Für Radwege stehen umfangreiche Landes- und Bundesmittel bereit. Für viele dringend notwendige Straßensanierungen fehlt dagegen oftmals die entsprechende finanzielle Unterstützung. Das führt dazu, dass Projekte umgesetzt werden, weil Fördergelder verfügbar sind – nicht unbedingt, weil sie für die Bevölkerung die höchste Priorität besitzen.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Radwege gebaut werden sollen. Die entscheidende Frage lautet: Warum gelingt es der Politik nicht, gleichzeitig eine leistungsfähige Straßeninfrastruktur zu erhalten?
Verkehrspolitik darf keine Ideologie sein. Sie muss sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren. Wer Millionen investiert, sollte deshalb nicht nur den Radverkehr stärken, sondern ebenso dafür sorgen, dass Autofahrer, Busse, Rettungsdienste und der Wirtschaftsverkehr auf sicheren und intakten Straßen unterwegs sein können.
Eine moderne Infrastruktur braucht keine Gewinner und Verlierer. Sie braucht eine Politik, die alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen ernst nimmt.
Gemeinsam für unabhängigen Lokaljournalismus
Ich bin unabhängiger freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Südpfalz.
- Ich berichte über Ereignisse, Menschen und Entwicklungen aus unserer Region – sachlich, kritisch und nah an den Bürgerinnen und Bürgern.
- Meine journalistische Arbeit finanziert sich weder durch Rundfunkbeiträge noch durch staatliche Fördermittel oder finanzielle Großsponsoren.
- Unabhängiger Lokaljournalismus lebt von der Unterstützung seiner Leserinnen und Leser.
Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie dabei, dass die Südpfalz auch künftig eine unabhängige journalistische Stimme behält.
Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!
Ihr SüdpfalzreporterAndré Braselmann
