Sonntagsfahrverbot abschaffen? Das ist doch nur Augenwischerei
Der politische Taschenspielertrick
Die Rechnung klingt zunächst wunderbar einfach:
Sonntags dürfen die Lkw fahren – also gibt es mehr Transportkapazität.
Nur leider funktioniert Logistik nicht nach einem politischen Wunschzettel.
Ein Fahrer darf nicht einfach sieben Tage hintereinander durchfahren, nur weil die Politik das Sonntagsfahrverbot abschafft. Die gesetzlichen Lenkzeiten, Pausen, täglichen Ruhezeiten und wöchentlichen Ruhezeiten gelten weiterhin.
Der Sonntag wird deshalb nicht plötzlich zum zusätzlichen Arbeitstag, der kostenlos oben drauf kommt.
Die Arbeits- und Ruhezeiten müssen trotzdem eingehalten werden.
Und genau da beginnt der politische Taschenspielertrick.
Der Lkw fährt am Sonntag – und steht irgendwann unter der Woche
Was passiert also?
- Der Lkw fährt am Sonntag.
- Der Fahrer hat seine gesetzlichen Grenzen trotzdem.
- Irgendwann ist eine Pause fällig.
- Irgendwann ist eine tägliche Ruhezeit fällig.
- Und spätestens die vorgeschriebene wöchentliche Ruhezeit lässt sich nicht einfach wegdiskutieren.
Das bedeutet: Mehr Fahrmöglichkeiten am Sonntag bedeuten nicht automatisch mehr verfügbare Fahrzeit in der gesamten Woche.
Die Standzeit wird nicht abgeschafft.
Sie wird möglicherweise nur verlagert.
Aus dem Sonntagsfahrverbot wird dann im schlimmsten Fall ein Montags-, Dienstags- oder Mittwochstillstand.
Der Lkw fährt am Sonntag – und steht dafür irgendwann unter der Woche.
Was genau daran die große wirtschaftliche Revolution sein soll, darf die Politik gerne erklären.
Mehr Fahrzeit auf dem Papier, aber keine zusätzlichen Fahrer
Das eigentliche Problem der Transportwirtschaft ist schließlich nicht nur ein Fahrverbot.
- Es fehlen Fahrer.
- Es fehlen Fahrzeuge.
- Es fehlen Parkplätze.
- Es gibt Baustellen, Staus, Mautkosten und steigende Betriebskosten.
- Und über allem stehen die europäischen Lenk- und Ruhezeitvorschriften.
Wer glaubt, dass man diese Probleme mit einem zusätzlichen Fahrtag lösen kann, verwechselt Kalenderpolitik mit Verkehrspolitik.
Ein Sonntag mehr macht aus einem Fahrer keine zusätzliche Arbeitskraft.
Und aus einem Lkw werden auch nicht plötzlich zwei.
Der Fahrer ist kein Perpetuum mobile
Vielleicht sollte man in Berlin einmal einen Blick in ein Fahrerhaus werfen.
Dort sitzt nämlich kein politischer Computer, der rund um die Uhr weiterläuft.
Dort sitzt ein Mensch.
- Dieser Mensch darf und muss Pausen machen.
- Er braucht tägliche Ruhezeiten.
- Er muss die wöchentlichen Ruhezeiten einhalten.
- Und seine Lenkzeit ist gesetzlich begrenzt.
Das ist auch gut so.
Denn Sicherheit auf unseren Straßen sollte nicht dem wirtschaftlichen Zeitdruck geopfert werden.
Aber genau deshalb ist die Behauptung, die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots würde automatisch für mehr Transportleistung sorgen, zumindest erheblich zu hinterfragen.
Die Logistik lässt sich nicht austricksen
Die Transportwirtschaft funktioniert wie ein Uhrwerk.
Verändert man an einer Stelle den Ablauf, verändert sich der gesamte Rhythmus.
Wer sonntags zusätzlich fährt, muss diese Arbeitszeit in die gesamte Wochenplanung integrieren.
- Der Fahrer kann nicht einfach am Sonntag fahren und anschließend so tun, als hätte dieser Tag nie stattgefunden.
- Die gesetzlichen Ruhezeiten bleiben.
- Die Lenkzeit bleibt begrenzt.
- Die Wochenarbeitszeit bleibt ein Thema.
Und deshalb ist die vermeintliche Wunderlösung möglicherweise gar keine.
Sie kann lediglich dazu führen, dass sich Verkehrsströme und Standzeiten innerhalb der Woche verschieben.
Was bringt die Aufhebung dann wirklich?
Natürlich kann die Abschaffung des Sonntagsfahrverbots in bestimmten Fällen Vorteile bringen.
- Transporte können flexibler geplant werden.
- Lieferketten können zusätzliche Zeitfenster erhalten.
- Engpässe an bestimmten Wochenenden können entschärft werden.
Das ist nicht von der Hand zu weisen.
Aber daraus eine große wirtschaftspolitische Befreiung zu machen, ist etwas anderes.
Denn die entscheidende Frage lautet:
Woher soll die zusätzliche Transportkapazität kommen, wenn Fahrer und Fahrzeuge weiterhin an die geltenden Lenk- und Ruhezeiten gebunden sind?
Darauf braucht es eine Antwort.
Mehr Flexibilität statt politischer Symbolpolitik
Wenn die Politik die Logistik wirklich# entlasten will, muss sie größer denken.
- Es braucht bessere Infrastruktur.
- Mehr Lkw-Parkplätze.
- Weniger Baustellenchaos.
- Schnellere Abfertigung.
- Digitale und unbürokratische Genehmigungen.
- Planbare Verkehrswege.
- Und vor allem Rahmenbedingungen, mit denen Speditionen tatsächlich arbeiten können.
Das Sonntagsfahrverbot allein ist dafür viel zu klein gedacht.
Es ist bestenfalls ein zusätzlicher Stellhebel.
Es ist aber kein Zauberschalter für mehr Transportkapazität.
Die Rechnung wird am Ende trotzdem bezahlt
Politik liebt einfache Botschaften.
- Lkw dürfen sonntags fahren – also wird alles besser.
- Nur leider ist die Realität komplizierter.
- Der Fahrer bleibt an seine Ruhezeiten gebunden.
- Der Lkw bleibt an gesetzliche Vorschriften gebunden.
- Die Spedition bleibt an ihre Personalplanung gebunden.
- Und die Wirtschaft bleibt auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen.
Wer deshalb behauptet, die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots löse die Probleme der Logistik, verkauft den Bürgern möglicherweise eine politische Scheinlösung.
Schluss: Der Lkw fährt – aber die Uhr läuft weiter
Die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots kann mehr Flexibilität schaffen.
Aber sie kann die physikalischen und gesetzlichen Grenzen des Güterverkehrs nicht abschaffen.
- Ein Fahrer hat nur eine bestimmte Lenkzeit.
- Ein Tag hat nur 24 Stunden.
- Eine Woche hat sieben Tage.
Und Ruhezeiten lassen sich nicht per Bundestagsbeschluss abschaffen.
Deshalb sollte die Politik endlich aufhören, mit dem Kalender Wirtschaftspolitik zu machen.
Sonntag fahren lassen und anschließend so tun, als gäbe es dadurch plötzlich mehr Fahrer, mehr Fahrzeuge und mehr Transportkapazität, ist keine Verkehrswende. Das ist Augenwischerei.
Der Lkw kann am Sonntag fahren.
Aber die Uhr läuft weiter.
Und irgendwann muss der Fahrer stehen.
Wenn die Politik das nicht versteht, sollte sie vielleicht einmal selbst einen Wochenplan für eine Spedition aufstellen.
Dann wird schnell klar:
Man kann die Standzeit verschieben. Man kann sie aber nicht wegregieren.
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