Erfurt: AfD 1, Bündnis Widersetzen 0 – Der satirische Spielbericht des Wochenendes
Anpfiff in Erfurt. Wochenlang wurde das Spitzenspiel beworben. Auf der einen Seite die AfD mit ihrem Bundesparteitag, auf der anderen das Bündnis Widersetzen, das einen leidenschaftlichen Sturmlauf angekündigt hatte. Die Erwartungen waren riesig, die Vorberichte vollmundig und die Fans auf den Rängen rechneten mit einem echten Pokalfight.
Der Schiedsrichter – nennen wir ihn einfach Demokratie – pfiff die Partie pünktlich an.
Bereits in den ersten Minuten setzte Widersetzen auf offensives Pressing. Blockaden, Sprechchöre und lautstarke Proteste sollten den Gegner früh aus dem Spiel nehmen. Von den Außenlinien wurde energisch dirigiert, auf den Tribünen herrschte beste Stimmung.
Doch dann passierte das Unerwartete: Der Ball rollte trotzdem.
Die Delegierten erreichten den Parteitag, die Tagesordnung wurde abgearbeitet und der politische Spielbetrieb lief weiter. Der erhoffte Führungstreffer blieb aus.
Mit zunehmender Spieldauer machte sich Nervosität breit. Viel Ballbesitz auf den Straßen, aber vor dem gegnerischen Tor fehlte der entscheidende Abschluss. Die Defensive aus Polizei und Sicherheitskonzept stand stabil und ließ nur wenige Chancen zu.
Zur Halbzeit blickten viele Zuschauer ratlos auf die Anzeigetafel.
AfD 1 – Bündnis Widersetzen 0.
In der zweiten Halbzeit wurde noch einmal alles nach vorne geworfen. Lautstärke war reichlich vorhanden, Einsatz ebenfalls. Doch auf dem Spielberichtsbogen zählten am Ende nicht die lautesten Fangesänge, sondern das Ergebnis.
Nach 90 Minuten plus Nachspielzeit ertönte der Schlusspfiff.
Die Pressekonferenz begann erwartungsgemäß unterschiedlich. Die eine Mannschaft sprach von einer großartigen Atmosphäre und moralischen Erfolgen. Die andere verwies nüchtern auf das Endergebnis und den planmäßig durchgeführten Parteitag.
Die Experten im TV-Studio diskutieren inzwischen hitzig: War es eine unglückliche Niederlage? Ein taktischer Fehler? Oder wurden die Erwartungen vor dem Spiel einfach deutlich höher angesetzt als das, was auf dem Platz tatsächlich möglich war?
Der Videobeweis konnte jedenfalls keine Regelwidrigkeit feststellen. Der Parteitag wurde gespielt, das Spiel wurde beendet und die Anzeigetafel blieb unverändert.
Endstand: AfD 1 – Bündnis Widersetzen 0.
Der Pokal für die größten Ankündigungen geht zwar an Widersetzen. Die drei satirischen Punkte dieses Spieltags schreibt diese Kolumne jedoch der AfD gut. Denn wie im Fußball gilt auch in der Politik manchmal eine einfache Regel: Nicht die lautesten Fangesänge entscheiden ein Spiel, sondern das, was nach dem Schlusspfiff auf der Anzeigetafel steht.
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André Braselmann
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