Wie sich Olivier Caffè selbst lächerlich macht

Wenn der Kaffeebecher zur politischen Kanzel wird

Wie sich Olivier Caffè selbst lächerlich macht

AfD, Russland, Gendern, Klimaschutz, Tempolimit, Regenbogenflaggen: Kaum ein politisches Thema, zu dem sich die Wolfsburger Kaffeerösterei Olivier Caffè nicht öffentlich äußert. Das Problem ist dabei nicht die Meinung. Das Problem ist die Art, wie sie vorgetragen wird.

Denn wer Kunden als „Jammerlappen“ bezeichnet, von einem „bildungsfernen Bodensatz“ spricht und ganze Bevölkerungsgruppen pauschal verspottet, betreibt keine politische Debatte mehr. Er betreibt politische Selbstinszenierung.

Vom Kaffeeröster zum Moralprediger

Natürlich darf jeder Unternehmer eine politische Haltung haben. Die Meinungsfreiheit gilt schließlich auch für Firmeninhaber.

Doch bei Olivier Caffè entsteht längst der Eindruck, dass Kaffee nur noch das Nebengeschäft ist. Die eigentliche Leidenschaft scheint darin zu bestehen, politische Gegner öffentlich vorzuführen.

Wer anderer Meinung ist, wird nicht widerlegt, sondern verspottet. Wer Kritik äußert, gilt als rückständig. Wer konservative Positionen vertritt, wird schnell zum Jammerlappen erklärt.

Das mag auf Facebook Applaus erzeugen. Es ersetzt aber kein Argument.

Die Arroganz der eigenen Blase

Besonders bemerkenswert ist die Wortwahl.

Da ist von einem „bildungsfernen Bodensatz“ die Rede. Gemeint sind Menschen, die sich über Gendern, Tempolimits, Klimapolitik oder gesellschaftliche Entwicklungen beschweren.

Man muss diese Positionen nicht teilen. Aber Millionen Bürger deshalb pauschal als ungebildet abzustempeln, offenbart vor allem eines: Verachtung für Andersdenkende.

Gerade jene, die ständig Toleranz, Vielfalt und Respekt einfordern, sollten eigentlich wissen, dass politische Meinungsvielfalt ebenfalls Teil einer offenen Gesellschaft ist.

Kundenbeschimpfung als Geschäftsmodell?

Noch absurder wird es, wenn Unternehmen glauben, sie könnten ihre eigene Kundschaft dauerhaft beleidigen und gleichzeitig erwarten, dass diese weiterhin begeistert ihre Produkte kaufen.

Ein Handwerksbetrieb, der SPD-Wähler als Trottel bezeichnet, würde ebenso Kopfschütteln ernten. Ein Restaurant, das Grünen-Wähler regelmäßig verspottet, ebenfalls.

Warum sollte das plötzlich anders sein, wenn sich die Angriffe gegen AfD-Wähler, Konservative oder Regierungskritiker richten?

Unternehmen leben von Kunden. Nicht von politischen Echokammern.

Die große Selbstüberschätzung

Der eigentliche Irrtum vieler politisierter Unternehmen besteht darin, dass sie ihre Social-Media-Reichweite mit gesellschaftlicher Bedeutung verwechseln.

Ein paar tausend Likes bedeuten noch lange nicht, dass man die Mehrheit der Bevölkerung repräsentiert.

Wer sich ständig als moralische Instanz inszeniert, läuft Gefahr, die Bodenhaftung zu verlieren. Ausgerechnet jene Menschen, die man belehren möchte, fühlen sich dadurch oft erst recht bestätigt.

So entsteht keine Überzeugungsarbeit. So entstehen Fronten.

Olivier Caffè hat selbstverständlich das Recht, politische Positionen zu vertreten. Darüber muss niemand diskutieren.

Doch wer Andersdenkende regelmäßig pauschal herabsetzt, Kunden verspottet und politische Gegner zum Feindbild erklärt, wirkt irgendwann nicht mehr mutig oder engagiert.

Er wirkt schlicht arrogant.

Und vielleicht liegt genau darin die Ironie der Geschichte: Während man anderen mangelnde Offenheit vorwirft, demonstriert man selbst, wie wenig Respekt man vor abweichenden Meinungen hat.

Für einen Kaffeeröster ist das eine bemerkenswert bittere Mischung. Nicht wegen des Kaffees – sondern wegen des Tons.

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André Braselmann
ist ein unabhängiger Freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Region Südpfalz.
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