Der SPIEGEL – Deutschlands dümmste Redaktion? Das aktuelle Titelbild als politisches Eigentor

Der SPIEGEL – Deutschlands dümmste Redaktion? Das aktuelle Titelbild als politisches Eigentor

Wenn Journalismus zur Fahndungsplakat-Parodie wird

Der SPIEGEL wollte mit seinem aktuellen Titelbild offenbar provozieren. Mission erfüllt. Nur möglicherweise anders, als es sich die Redaktion vorgestellt hat.

Ulrich Siegmund wird auf dem Cover wie ein gesuchter Schwerverbrecher inszeniert. Dunkle Optik, dramatische Gestaltung, maximal zugespitzte Botschaft. Der SPIEGEL präsentiert seinen vermeintlich gefährlichsten politischen Gegner – und liefert damit gleichzeitig eine Steilvorlage für Spott und Kritik.

Denn spätestens beim zweiten Blick stellt sich eine ziemlich einfache Frage:

Wie viel Journalismus steckt eigentlich noch in einem Titelbild, das stärker nach Fahndungsplakat als nach politischer Analyse aussieht?

Der SPIEGEL und die Kunst der maximalen Dramatisierung

Natürlich darf ein Nachrichtenmagazin provozieren. Natürlich darf der SPIEGEL Politiker scharf kritisieren. Und selbstverständlich darf eine Redaktion ihre politische Bewertung formulieren.

Aber zwischen kritischer Berichterstattung und politischer Inszenierung liegt ein Unterschied.

Wer einen Politiker visuell zum Staatsfeind stilisiert, erzeugt zunächst einmal Emotionen. Angst, Empörung, Ablehnung. Das funktioniert hervorragend für Aufmerksamkeit, Klicks und Diskussionen.

Nur: Aufmerksamkeit ist noch kein Journalismus.

Das aktuelle SPIEGEL-Titelbild wirkt deshalb weniger wie eine nüchterne Auseinandersetzung mit Ulrich Siegmund und mehr wie der Versuch, dem Leser bereits auf dem Zeitschriftencover vorzugeben, welche Emotion er beim Betrachten entwickeln soll.

Deutschlands gefährlichster Mann?

Die Botschaft ist maximal zugespitzt: Hier soll offenbar jemand als besonders gefährlich dargestellt werden.

Doch wer solche Superlative verwendet, muss liefern.

  • Welche konkreten politischen Positionen machen Siegmund zum gefährlichsten Mann Deutschlands?
  • Welche Entscheidungen?
  • Welche Aussagen?
  • Welche tatsächlichen Gefahren?

Genau hier beginnt das Problem solcher Inszenierungen.

  • Ein dramatisches Titelbild kann keine Belege ersetzen.
  • Ein roter Schriftzug ersetzt keine Recherche.

Und ein Fahndungsplakat ersetzt keine politische Analyse.

Vielleicht wäre ein anderes Cover passender gewesen

Wenn man die Logik des SPIEGEL-Titelbildes konsequent weiterdenkt, hätte die Redaktion vielleicht auch sich selbst auf das Cover setzen können.

Nicht als gefährlichste Redaktion Deutschlands.

Sondern als Redaktion, die sich offensichtlich vorgenommen hat, politische Berichterstattung möglichst dramatisch aussehen zu lassen.

Der passende Titel wäre dann:

Der SPIEGEL – Wir erklären Ihnen, vor wem Sie Angst haben sollen

Das wäre wenigstens ehrlich.

Denn genau diesen Eindruck vermittelt das Cover: Nicht die Frage Was steckt hinter dieser politischen Entwicklung? steht im Mittelpunkt, sondern die Frage Wie können wir sie möglichst dramatisch darstellen?

Das politische Eigentor

Ironischerweise könnte der SPIEGEL mit seiner Kampagne genau das Gegenteil erreichen.

Wer einen politischen Gegner maximal dämonisiert, macht ihn nicht automatisch kleiner.

Im Gegenteil.

Plötzlich sprechen alle über ihn.

Das Cover wird geteilt, kommentiert, parodiert und diskutiert. Menschen, die vorher vielleicht kaum etwas über Siegmund wussten, suchen nach seinem Namen.

Das vermeintliche Schreckgespenst bekommt dadurch zusätzliche Aufmerksamkeit.

Man könnte es deshalb auch als unfreiwillige Wahlkampfhilfe bezeichnen.

Journalismus darf unbequem sein – aber er sollte glaubwürdig bleiben

Ein kritisches Nachrichtenmagazin muss nicht neutral im Sinne völliger Wertungsfreiheit sein. Journalisten dürfen Missstände benennen und Politiker hart kritisieren.

Aber gerade deshalb sollte die journalistische Qualität über der Inszenierung stehen.

Je größer die Behauptung, desto stärker müssen die Belege sein.

Wer einen Politiker zum gefährlichsten Mann Deutschlands erklärt, sollte nicht nur ein spektakuläres Titelbild produzieren, sondern eine überzeugende journalistische Begründung liefern.

Sonst bleibt beim Leser vor allem eines hängen:

viel Drama, wenig Distanz und eine Menge politischer Theaterdonner.

Die vielleicht beste Pointe liefert der SPIEGEL selbst

Das aktuelle Titelbild zeigt vor allem eines: Die politische Auseinandersetzung in Deutschland wird immer stärker über Bilder, Emotionen und Feindbilder geführt.

Und ausgerechnet ein Magazin, das sich selbst als journalistische Instanz versteht, macht bei diesem Spiel kräftig mit.

Vielleicht sollte der nächste SPIEGEL-Titel deshalb ganz anders aussehen.

  • Kein Fahndungsfoto.
  • Keine martialische Inszenierung.
  • Keine politische Dramaturgie.
  • Sondern einfach eine große weiße Fläche.

Darauf nur ein Satz:

Recherche statt Panik.

Das wäre tatsächlich einmal ein Titelbild mit Aussagekraft.

Denn wenn ein Nachrichtenmagazin seine Glaubwürdigkeit bewahren will, braucht es vor allem eines:

guten Journalismus statt möglichst großer Schlagzeilen.

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André Braselmann
Ich bin unabhängiger freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Südpfalz.
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André Braselmann


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