Berlin bestellt, die Gemeinden bezahlen
Während in Berlin und Mainz neue Programme, Vorschriften und Versprechen beschlossen werden, kämpfen Städte und Gemeinden in der Pfalz ums finanzielle Überleben. Die Warnung der Kommunen ist eindeutig: So kann es nicht weitergehen.
Was derzeit vielerorts geschieht, ist kein kurzfristiges Haushaltsproblem. Es ist das Ergebnis eines politischen Systems, das immer neue Aufgaben verteilt, die Rechnung aber nach unten weiterreicht. Die Leidtragenden sind die Städte, Gemeinden und letztlich die Bürger.
Immer mehr Pflichten, immer weniger Spielraum
Kommunen sollen Kindertagesstätten ausbauen, Schulen modernisieren, Straßen sanieren, den Klimaschutz vorantreiben, die Digitalisierung umsetzen und gleichzeitig steigende Sozialausgaben stemmen. Das Problem: Die Kosten wachsen schneller als die Einnahmen.
Bund und Länder präsentieren gerne neue Projekte. Pressekonferenzen und Schlagzeilen gibt es in den Hauptstädten. Die finanzielle Realität landet jedoch auf den Schreibtischen der Bürgermeister und Kämmerer vor Ort.
Das politische Prinzip scheint inzwischen zu lauten: Wer bestellt, muss nicht bezahlen.
Wenn die Basis zusammenbricht
Die Folgen sind längst sichtbar. Straßen werden später saniert. Öffentliche Gebäude verfallen. Investitionen werden verschoben. Freiwillige Leistungen geraten unter Druck.
Gerade diese freiwilligen Leistungen machen aber eine Gemeinde lebenswert. Vereinsförderungen, Kulturangebote, Sportstätten, Bürgerfeste oder soziale Projekte sind oft die ersten Posten, die gestrichen werden, wenn das Geld fehlt.
Damit entsteht ein gefährlicher Kreislauf: Die Kommunen verlieren Handlungsspielraum, während die Erwartungen der Bürger weiter steigen.
Das Ende der kommunalen Selbstverwaltung?
Offiziell besitzen Städte und Gemeinden eine kommunale Selbstverwaltung. In der Praxis wird diese Freiheit jedoch zunehmend zur Illusion.
Was nützt ein Gemeinderat, wenn immer größere Teile des Haushalts durch Pflichtaufgaben festgelegt sind? Was nützt lokale Demokratie, wenn Entscheidungen nur noch verwaltet, aber kaum noch gestaltet werden können?
Wer den Kommunen die finanziellen Mittel entzieht, entzieht ihnen auch ihre politische Gestaltungsfähigkeit.
Die Rechnung kommt für alle
Viele Bürger glauben noch immer, die Finanzprobleme der Kommunen seien eine Angelegenheit für Rathäuser und Verwaltungen. Das ist ein Irrtum.
Jeder marode Spielplatz, jede verschobene Straßensanierung, jede geschlossene Einrichtung und jede abgesagte Investition zeigt direkt, was passiert, wenn Kommunen dauerhaft unterfinanziert werden.
Die Rechnung zahlen am Ende nicht Bund oder Länder. Sie zahlen die Menschen vor Ort.
Schlussfolgerung
Die Klage der Kommunen ist kein Jammern auf hohem Niveau. Sie ist ein Warnsignal für die Zukunft unserer Städte und Gemeinden.
Wer starke Kommunen will, muss ihnen auch die finanziellen Mittel geben, ihre Aufgaben zu erfüllen. Alles andere ist politische Augenwischerei.
Denn wenn Städte und Gemeinden dauerhaft am Limit arbeiten, steht nicht nur ein Haushalt unter Druck. Dann gerät das Fundament unseres Gemeinwesens ins Wanken.
Gemeinsam für die Region
André Braselmann
ist ein unabhängiger Freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Region Südpfalz.
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