Bad Bergzabern. Ein monatlicher AfD-Infostand vor einer Modewerkstatt in der Bad Bergzaberner Weinstraße sorgt seit einiger Zeit für Ärger. Die Geschäftsinhaberin Alexandra Neufeld wehrt sich nach einem Bericht der Rheinpfalz gegen den Stand. Nun wollten die „Omas gegen Rechts – Kandel und Südpfalz“ zur Unterstützung anrücken. Das E#rgebnis war zumindest optisch deutlich größer als der ursprüngliche Anlass.
Aus einem AfD-Stand wird eine politische Bühne
Nach Angaben der „Omas gegen Rechts“ hatten diese von der Situation rund um die Modewerkstatt erfahren und beschlossen, die Geschäftsinhaberin zu unterstützen. Für den betreffenden Tag wurde nach Darstellung der Gruppe ein eigener Infostand angemeldet – mit ausdrücklicher Erlaubnis der Geschäftsinhaberin.
Doch offenbar sollte es nicht bei einem einzelnen Gegenstand bleiben.
Auf den veröffentlichten Bildern sind zahlreiche Menschen sowie verschiedene politische und gesellschaftliche Botschaften zu sehen. Unter anderem ist ein CDU-Sonnenschirm erkennbar, daneben finden sich Hinweise auf die SPD. Ein großer Regenbogen-Aufsteller trägt die Botschaft „Kultur ist Vielfalt und Heimat“. Auf einem weiteren Plakat heißt es: „Wir überlassen unsere Heimat nicht den Rechten.“
Damit bekam der monatliche AfD-Infostand plötzlich eine bemerkenswerte Gegenkulisse.
„Wir sind mehr“ – aber wem hilft das eigentlich?
Die „Omas gegen Rechts“ feiern ihren Einsatz in den sozialen Medien als Erfolg. Nach eigener Darstellung hätten sich zahlreiche Menschen für die Aktion interessiert. Vier Frauen hätten sogar angekündigt, sich der Gruppe anschließen zu wollen.
Über den AfD-Stand fällt die Bewertung dagegen erwartungsgemäß weniger freundlich aus. Die Gruppe schreibt, dort hätten lediglich zwei bis drei Männer unter einem Sonnenschirm gestanden und kaum Interesse gehabt.
Das ist allerdings die Darstellung der Veranstalter selbst und keine unabhängig überprüfte Besucherstatistik.
Auch die Behauptung, dass sich die demokratischen Fraktionen des Bad Bergzaberner Stadtrats der Aktion angeschlossen hätten, stammt aus dem Facebook-Beitrag der „Omas gegen Rechts“.
Politischer Gegenwind mit Nebenwirkungen?
Interessanter ist eine andere Frage: War diese Aktion tatsächlich hilfreich für die Geschäftsinhaberin?
Dass Alexandra Neufeld den regelmäßigen AfD-Stand vor ihrem Geschäft nicht möchte, ist die eine Seite des Konflikts. Ob sie sich allerdings durch eine zusätzliche politische Veranstaltung mit mehreren Ständen, Plakaten und deutlich sichtbaren politischen Botschaften vor ihrem Geschäft besser unterstützt fühlt, ist eine andere Frage.
Denn ausgerechnet das, was als Unterstützung gedacht war, machte den politischen Streit noch sichtbarer.

Aus einem regelmäßigen Parteistand wurde zeitweise eine politische Bühne mitten in der Bad Bergzaberner Innenstadt. Für Passanten sicherlich interessant – für ein Geschäft möglicherweise nicht unbedingt die Art von Aufmerksamkeit, die man sich im Alltag wünscht.
Ob die Aktion für die Geschäftsinhaberin am Ende ein Erfolg oder womöglich sogar kontraproduktiv war, steht deshalb in den Sternen.
Wenn politische Lager um den besten Platz kämpfen
Der Vorgang hat zudem eine gewisse Ironie: Die Kritik richtet sich gegen einen politischen Informationsstand vor einem Geschäft. Die Antwort darauf besteht wiederum in einer eigenen politischen Präsenz am selben Ort.
Man könnte es überspitzt so formulieren: Der AfD-Stand bekommt Gegenwind – und gleichzeitig bekommt er genau das, was politische Akteure eigentlich lieben: Aufmerksamkeit.
Denn politische Gegenveranstaltungen haben einen Nebeneffekt, den ihre Organisatoren nicht immer kontrollieren können. Sie können eine ursprünglich überschaubare Aktion deutlich größer machen und damit erst recht zum Gesprächsthema werden.
Ob das im Sinne der Geschäftsinhaberin war, kann letztlich nur sie selbst beantworten.
Der Streit ist damit längst mehr als eine Standfrage
Der Konflikt zeigt exemplarisch, wie schnell ein lokaler Streit über einen Infostand zu einer grundsätzlichen politischen Auseinandersetzung werden kann.
Die AfD möchte ihren Stand offenbar weiterhin regelmäßig aufbauen. Die Geschäftsinhaberin möchte dies nach der Darstellung der Rheinpfalz nicht hinnehmen. „Omas gegen Rechts“ haben sich positioniert und Unterstützung organisiert. Weitere politische Akteure wurden sichtbar.
Damit stellt sich inzwischen eine ganz andere Frage:
Geht es noch um den Platz vor einem Geschäft – oder längst darum, wer in Bad Bergzabern politisch die Deutungshoheit über diesen Platz beanspruchen kann?
Eine endgültige Antwort darauf dürfte noch ausstehen.
Fest steht jedoch: Wer eine politische Auseinandersetzung mit einer Gegenaktion bekämpfen will, sollte sich nicht wundern, wenn die Auseinandersetzung dadurch erst richtig groß wird.
André Braselmann
Ich bin unabhängiger freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Südpfalz.
- Ich berichte über Ereignisse, Menschen und Entwicklungen aus unserer Region.
- Meine journalistische Arbeit finanziert sich nicht durch staatliche Fördermittel.
- Unabhängiger Journalismus lebt von der Unterstützung seiner Leserinnen und Leser.
Gute Berichterstattung entsteht nicht von selbst. Sie braucht Zeit, Recherche und direkten Kontakt zu den Menschen vor Ort.
