Antisemitismus von links: Wer nur nach rechts schaut, sieht nur die halbe Wahrheit
Wenn in Deutschland über Antisemitismus gesprochen wird, richtet sich der öffentliche Blick häufig zuerst auf den Rechtsextremismus. Das ist nachvollziehbar, denn rechtsextremer Antisemitismus ist seit Jahrzehnten eine reale und ernsthafte Bedrohung. Doch wer deshalb andere Erscheinungsformen ausblendet, verkennt die Realität.
Spätestens seit den Terrorangriffen der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ist deutlich geworden, dass antisemitische Einstellungen und israelfeindliche Parolen auch auf Demonstrationen aus dem linksradikalen und antiimperialistischen Spektrum sichtbar wurden. Jüdische Einrichtungen mussten verstärkt geschützt werden, antisemitische Vorfälle nahmen zu, und Sicherheitsbehörden warnten vor unterschiedlichen ideologischen Quellen des Judenhasses.
Antizionismus ist nicht automatisch Antisemitismus – aber die Grenze wird überschritten
Selbstverständlich ist Kritik an der israelischen Regierung legitim. In einer Demokratie muss politische Kritik möglich sein. Problematisch wird es dort, wo Israel das Existenzrecht abgesprochen wird, terroristische Gewalt relativiert oder antisemitische Stereotype verbreitet werden.
Ein Teil der radikalen Linken begründet dies mit einem antiimperialistischen Weltbild. Israel wird dabei nicht mehr als demokratischer Staat betrachtet, sondern ausschließlich als kolonialer Unterdrücker. Dieses vereinfachende Schwarz-Weiß-Denken führt in manchen Fällen dazu, dass antisemitische Ressentiments unter dem Deckmantel des Antizionismus verbreitet werden.
Politische Scheuklappen helfen niemandem
Antisemitismus darf nicht danach bewertet werden, aus welchem politischen Lager er stammt. Wer rechte Hetze konsequent verurteilt, sollte mit derselben Konsequenz antisemitische Parolen aus dem linken oder islamistischen Spektrum kritisieren.
Eine glaubwürdige Bekämpfung des Antisemitismus setzt gleiche Maßstäbe voraus. Wer bei antisemitischen Vorfällen wegschaut, weil sie nicht ins eigene politische Weltbild passen, verliert an Glaubwürdigkeit.
Klartext
Antisemitismus kennt keine politische Monopolstellung. Er tritt in unterschiedlichen ideologischen Milieus auf – im Rechtsextremismus, im Islamismus und auch in Teilen der radikalen Linken. Wer jüdisches Leben wirksam schützen will, darf keine ideologischen Ausnahmen machen. Die Bekämpfung von Antisemitismus muss sich an den Taten und Aussagen orientieren – nicht daran, ob die Täter von rechts, links oder aus einem anderen extremistischen Milieu kommen.
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