Wie Olivier Caffè seine Kunden zu Feinden erklärt
Manche Unternehmen verkaufen Kaffee. Andere verkaufen Schuhe. Olivier Caffè verkauft inzwischen vor allem politische Verachtung.
Wer die Facebook-Seite des Unternehmens verfolgt, bekommt schnell den Eindruck, dass Kaffee längst Nebensache geworden ist. Statt über Röstungen, Herkunft oder Geschmack zu sprechen, beschäftigt man sich lieber mit AfD-Wählern, Klimaskeptikern und Andersdenkenden.
Die Botschaft ist dabei stets dieselbe: Wer nicht die eigene politische Haltung teilt, ist entweder faktenresistent, ungebildet oder schlicht lächerlich.
Die neue deutsche Besserwisserei
- AfD-Wähler lehnen angeblich Fakten, Wissenschaft und Realität ab.
- Kritiker gesellschaftlicher Entwicklungen sind „Jammerlappen“.
- Menschen mit anderer Meinung gehören zum „bildungsfernen Bodensatz“.
- Klimaskeptiker sollen ein „Schälchen Lack“ bekommen.
Das alles stammt nicht aus einer Satirezeitschrift. Nicht von einem politischen Aktivisten. Nicht von einem anonymen Internet-Troll. Sondern von einem Unternehmen, das Kaffee verkaufen möchte. Oder zumindest einmal wollte.
Wer andere pauschal verachtet, sollte nicht von Toleranz reden
Besonders bemerkenswert ist die Selbstwahrnehmung.
Die gleichen politischen Milieus, die bei jeder Gelegenheit Respekt, Vielfalt und Toleranz einfordern, scheinen diese Werte regelmäßig außer Kraft zu setzen, sobald es um die falschen Menschen geht.
Dann werden Millionen Bürger kurzerhand zu Faktenverweigerern erklärt.
- Nicht einzelne Positionen werden kritisiert.
- Nicht konkrete Aussagen werden widerlegt.
- Nein, ganze Bevölkerungsgruppen werden pauschal für dumm erklärt.
Genau jene Form von Schwarz-Weiß-Denken, die man sonst so gern bei anderen beklagt.
Die Arroganz der eigenen Blase
Der vielleicht größte Irrtum von Olivier Caffè besteht darin, Facebook-Likes mit gesellschaftlicher Zustimmung zu verwechseln.
Wer täglich tausende Likes aus der eigenen politischen Filterblase erhält, beginnt irgendwann zu glauben, er spreche für die Mehrheit.
Tatsächlich spricht er oft nur für die Menschen, die ohnehin derselben Meinung sind.
Deshalb wirken viele Beiträge nicht wie politische Argumente, sondern wie digitale Selbsthilfegruppen für Gleichgesinnte.
- Man bestätigt sich gegenseitig darin, auf der richtigen Seite zu stehen.
- Und erklärt alle anderen zu Idioten.
Aus Kunden werden Gegner
Ein Unternehmen lebt normalerweise davon, möglichst viele Menschen anzusprechen.
Olivier Caffè verfolgt das entgegengesetzte Konzept.
Hier werden potenzielle Kunden regelmäßig politisch einsortiert, bewertet und verspottet.
- Man stelle sich vor, ein Bäcker würde täglich SPD-Wähler als wirtschaftsfeindliche Realitätsverweigerer bezeichnen.
- Oder ein Restaurant würde Grünen-Wähler als hysterische Weltuntergangspropheten verhöhnen.
Der Aufschrei wäre gewaltig.
Bei Olivier Caffè gilt dieselbe Methode offenbar als Haltung.
Die eigentliche Ironie
Die größte Ironie liegt jedoch woanders.
- Wer anderen ständig vorwirft, in einer ideologischen Blase zu leben, demonstriert täglich, wie eine ideologische Blase funktioniert.
- Wer anderen Hass vorwirft, arbeitet selbst mit Spott und Verachtung.
- Wer sich als Stimme der Vernunft inszeniert, ersetzt Argumente regelmäßig durch Beleidigungen.
Und wer behauptet, für Offenheit zu stehen, zeigt erstaunlich wenig Interesse an anderen Sichtweisen.
- Olivier Caffè möchte nicht nur Kaffee verkaufen.
- Das Unternehmen möchte erziehen.
- Belehren.
- Einordnen.
- Aburteilen.
Doch je häufiger Millionen Menschen pauschal als faktenresistent, ungebildet oder lächerlich dargestellt werden, desto deutlicher wird ein unangenehmer Befund:
Nicht die Kritiker wirken zunehmend fanatisch.
Sondern jene, die sich für die einzigen Vernünftigen im Raum halten.
Und genau dort wird aus Haltung Überheblichkeit.
Aus Meinung Moralismus.
Und aus einer Kaffeemarke eine politische Karikatur ihrer selbst.
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André Braselmann
ist ein unabhängiger Freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Region Südpfalz.
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