Lingenfeld – Die traditionelle Lingenfelder Kerwe wird 2026 nicht stattfinden. Die Ortsgemeinde hat inzwischen die Hintergründe der Absage öffentlich erläutert. Doch für den Südpfalzreporter sind damit längst nicht alle Fragen beantwortet. Eine detaillierte Antwort auf die Presseanfrage steht bis heute aus.
Die Absage der Kerwe hatte in Lingenfeld für zahlreiche Nachfragen aus der Bevölkerung gesorgt. In einer inzwischen veröffentlichten Mitteilung erklärt Sebastian Ungeheuer, Beigeordneter der Ortsgemeinde Lingenfeld für den Geschäftsbereich Kultur, Sport und Senioren, die Entscheidung sei „schwierig, aber notwendig“ gewesen.
Als Gründe nennt die Ortsgemeinde unter anderem die aus ihrer Sicht nicht ausreichende Resonanz der Bevölkerung auf den neuen Veranstaltungsort. Dadurch hätten sich auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für wichtige Schausteller verschlechtert. Einige Schaustellerbetriebe hätten deshalb nicht mehr zur Verfügung gestanden.
Auch die örtlichen Vereine könnten sich nach Angaben der Gemeinde nur noch eingeschränkt beteiligen. Es fehle insbesondere an Helferinnen und Helfern, die für Auf- und Abbau sowie den Standbetrieb benötigt würden.
Alternative Konzepte offenbar geprüft
Nach Darstellung der Ortsgemeinde wurde im Vorfeld versucht, die Kerwe dennoch zu ermöglichen. Dabei seien sowohl ein anderer Veranstaltungsort als auch eine grundsätzlich veränderte Form der Veranstaltung in Betracht gezogen worden.
Doch auch diese Alternativen hätten letztlich nicht umgesetzt werden können, da sowohl bei den Schaustellern als auch bei den Vereinen entsprechende Möglichkeiten gefehlt hätten.
Damit steht fest: 2026 wird es keine Lingenfelder Kerwe geben.
Was genau wurde entschieden – und von wem?
Genau an diesem Punkt hatte der Südpfalzreporter mit seiner Presseanfrage nachgehakt.
Die Redaktion wollte unter anderem wissen, wer die Entscheidung zur Absage getroffen hat, in welchem Gremium darüber entschieden wurde und welche konkreten organisatorischen, finanziellen oder personellen Faktoren ausschlaggebend waren.
Auch zur Resonanz auf den neuen Veranstaltungsort wurden konkrete Informationen erbeten. Ebenso sollte geklärt werden, welche Schausteller nicht mehr zur Verfügung stehen, welche Vereine sich nur noch eingeschränkt beteiligen können und welche Alternativkonzepte tatsächlich geprüft wurden.
Eine detaillierte Antwort auf diese konkreten Fragen liegt dem Südpfalzreporter bis dato nicht vor.
Die nun veröffentlichte Mitteilung der Ortsgemeinde liefert zwar eine allgemeine Begründung, ersetzt aus Sicht der Redaktion jedoch nicht die Beantwortung der konkret gestellten Pressefragen.
Zukunft der Kerwe 2027 bleibt offen
Während die Absage für 2026 feststeht, ist die Zukunft der Kerwe noch nicht entschieden.
Im November soll beim jährlichen Treffen zwischen Ortsgemeinde und den Lingenfelder Vereinen auch über die weitere Entwicklung der Kerwe gesprochen werden. Dabei soll die aktuelle Situation offen analysiert werden.
Interessant ist dabei die ausdrückliche Einladung der Ortsgemeinde an Bürgerinnen und Bürger sowie Vereine, sich künftig stärker einzubringen. Nach Angaben der Gemeinde steht es der Bürgerschaft und den Vereinen offen, die Planung und Organisation einer Kerwe eigenständig zu übernehmen. Die Ortsgemeinde stellt dafür ihre Unterstützung in Aussicht.
Damit stellt sich allerdings eine weitere Frage: Wie soll die Aufgabenverteilung zwischen Ortsgemeinde, Vereinen und möglichen weiteren Organisatoren künftig konkret aussehen?
Auch hierzu hatte der Südpfalzreporter um nähere Informationen gebeten.
Kerwe als Herzstück des Dorflebens
Die Ortsgemeinde betont zugleich die Bedeutung der Kerwe für das gesellschaftliche Leben in Lingenfeld. Trotz der Absage verweist sie auf zahlreiche andere Veranstaltungen und das aktive Vereinsleben im Ort. Besonderes Augenmerk soll künftig unter anderem auf das große Straßenfest gelegt werden.
Ob die Kerwe allerdings 2027 zurückkehrt, hängt letztlich davon ab, ob sich ausreichend Akteure finden, die eine solche Veranstaltung organisatorisch und personell tragen können.
Südpfalzreporter wartet weiterhin auf Antworten
Die Absage der Kerwe ist inzwischen offiziell erklärt. Viele Details zur Entscheidungsfindung und zu den konkreten Rahmenbedingungen bleiben jedoch weiterhin offen.
Der Südpfalzreporter hat deshalb erneut um eine detaillierte Beantwortung der ursprünglichen Presseanfrage gebeten.
Für eine unabhängige regionale Berichterstattung ist es aus Sicht der Redaktion wichtig, nicht nur die Entscheidung selbst, sondern auch deren Zustandekommen nachvollziehbar darzustellen.
André Braselmann
Ich bin unabhängiger freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Südpfalz.
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