CDU-Fraktion Brandenburg und das „Schuhljahr“: Wenn die Rechtschreibprüfung selbst Ferien macht
Das Sommerloch hat einen neuen Bewohner – Politische Kommunikation soll Vertrauen schaffen. Sie soll Kompetenz ausstrahlen, Professionalität vermitteln und im Idealfall den Eindruck erwecken, dass sich jemand Gedanken gemacht hat. Doch manchmal reicht ein einziger Buchstabe, um aus einer sorgfältig geplanten Botschaft unfreiwillige Satire zu machen. Die CDU-Landtagsfraktion Brandenburg verabschiedete Schülerinnen und Schüler mit den Worten:
„Erholt euch gut für das nächste Schuhljahr!“
Nicht Schuljahr. Schuhljahr.
Vielleicht handelt es sich um eine neue bildungspolitische Initiative. Nach dem Handyverbot folgt nun die Schuhpflicht. Wer weiß das schon?
Rechtschreibung ist keine Nebensache
Natürlich kann jedem ein Tippfehler passieren. Niemand ist davor gefeit. Der Unterschied liegt allerdings darin, wer den Fehler veröffentlicht.
Eine Landtagsfraktion verfügt in der Regel über Mitarbeiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, über Social-Media-Verantwortliche und meistens auch über mehrere Augenpaare, die Beiträge vor der Veröffentlichung prüfen. Umso erstaunlicher ist es, wenn ein Rechtschreibfehler dieser Größenordnung trotzdem online geht.
Gerade in Zeiten von automatischen Rechtschreibprüfungen, KI-Textassistenten und Vier-Augen-Prinzip wirkt ein solcher Patzer beinahe nostalgisch.
Hat die Rechtschreibprüfung schon Sommerferien?
Man fragt sich zwangsläufig:
- Hat niemand den Text noch einmal gelesen?
- War die Rechtschreibprüfung ebenfalls im Urlaub?
- Oder war das Motto des Tages: „Wird schon keiner merken.“
Das Internet ist allerdings ein denkbar schlechter Ort für diese Hoffnung. Dort werden Tippfehler schneller entdeckt als politische Wahlversprechen eingehalten werden.
Vom Schuljahr zum Schuhljahr
Ausgerechnet ein Feriengruß an Schülerinnen und Schüler wird zum Paradebeispiel dafür, warum sorgfältiges Korrekturlesen eben doch sinnvoll ist.
Ironischer könnte es kaum sein: Während Kinder und Jugendliche ihre Deutschkenntnisse im Unterricht verbessern sollen, liefert ausgerechnet eine Landtagsfraktion unfreiwillig Anschauungsmaterial dafür, wie ein Rechtschreibfehler entsteht.
Die eigentliche Lehre
Der Fehler ist kein politischer Skandal. Niemand wird deshalb seine Wahlentscheidung ändern. Aber er zeigt etwas anderes: Wer öffentlich kommuniziert, sollte seine Texte vor der Veröffentlichung gründlich prüfen.
Denn in den sozialen Medien bleibt selten der eigentliche Inhalt hängen. Oft ist es genau der kleine Fehler, der sich verselbstständigt und zum Gesprächsthema wird.
Und so dürfte dieser Feriengruß vielen weniger wegen seiner guten Wünsche in Erinnerung bleiben als wegen eines einzigen zusätzlichen Buchstabens.
Manchmal reicht eben ein „h“, um aus einem Schuljahr ein „Schuhljahr“ zu machen – und aus einer professionellen Botschaft eine unfreiwillige Comedy-Einlage.
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