Pride Month beim KSC: Wenn aus Haltung ein öffentlicher Pranger wird
Der Kampf gegen Hass und Diskriminierung ist richtig. Doch auch gute Absichten rechtfertigen nicht jedes Mittel. Genau deshalb sorgt die jüngste Pride-Month-Aktion des Karlsruher SC für erhebliche Kritik.
Denn hier geht es längst nicht mehr nur um ein Zeichen für Toleranz. Es geht um die Frage, ob ein Fußballverein das Recht haben sollte, Nutzer mit Klarnamen öffentlich an den digitalen Pranger zu stellen.
Wer die veröffentlichten Beiträge betrachtet, erkennt schnell das eigentliche Problem: Einzelne Kommentatoren werden nicht nur kritisiert, sondern für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht. Damit wird aus einer Kampagne gegen Hass eine Kampagne gegen Menschen.
Der KSC spricht von Haltung. Kritiker sprechen von Bloßstellung.
Und tatsächlich stellt sich die Frage: Seit wann gehört es zu den Aufgaben eines Fußballvereins, seine eigenen Fans oder Social-Media-Nutzer öffentlich vorzuführen? Wenn Kommentare strafrechtlich relevant sind, gibt es dafür Polizei und Justiz. Dafür braucht es keinen Verein als moralische Sonderstaatsanwaltschaft.
Besonders bedenklich wird es, wenn Namen und Profile erkennbar bleiben. Denn damit wird die Grenze zwischen Kritik und öffentlicher Stigmatisierung überschritten. Die Betroffenen werden markiert, etikettiert und einer digitalen Menschenmenge präsentiert. Die Folgen können weit über die ursprüngliche Diskussion hinausreichen.
Die eigentliche Ironie besteht darin, dass ausgerechnet eine Kampagne für Toleranz mit Methoden arbeitet, die selbst Ausgrenzung erzeugen können. Wer Respekt fordert, sollte auch gegenüber Andersdenkenden Respekt wahren. Andernfalls entsteht der Eindruck, dass Toleranz nur für diejenigen gilt, die die „richtige“ Meinung vertreten.
Fußballvereine sind keine politischen Umerziehungsanstalten. Sie leben von einer vielfältigen Fanbasis mit unterschiedlichen Ansichten und Überzeugungen. Ihre Aufgabe ist es, Menschen zu verbinden, nicht sie öffentlich an den Pranger zu stellen.
Der KSC wollte ein Zeichen gegen Hass setzen. Stattdessen hat der Verein eine Debatte ausgelöst, die weit über den Pride Month hinausgeht: Wie weit darf öffentliche Bloßstellung im Namen der guten Sache gehen?
Die Antwort sollte in einem Rechtsstaat eigentlich eindeutig sein: Kritik ja. Öffentliche Pranger nein.
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