Drohnen-Posse am Flughafen Leipzig/Halle: Erst soll ein Busfahrer eine mutmaßliche Sprengstoffdrohne per Dropkick vom Himmel geholt haben. Dann taucht offenbar eine ganz andere Geschichte auf. Eine Antonow soll der Drohne zuvor begegnet sein. Was bleibt, ist eine unangenehme Frage: Wie schnell wird aus einer ungesicherten Information eine politische Heldensaga?
Es hätte der perfekte Actionfilm-Moment sein können.
Eine gefährliche Drohne taucht am Flughafen Leipzig/Halle auf. Angeblich mit Sprengstoff an Bord. Gefahr für Menschen, Gefahr für die Infrastruktur. Und dann kommt der Busfahrer.
- Nicht mit einem Spezialgerät.
- Nicht mit einem Störsender.
- Nicht mit einem Sicherheitskommando.
Mit dem Fuß.
Ein beherzter Dropkick – und die mutmaßliche Bombendrohne soll vom Himmel geholt worden sein.
Hollywood hätte es kaum besser schreiben können.
Nur gibt es ein kleines Problem:
Offenbar hat es sich gar nicht so abgespielt.
Die Antonow statt des Busfahrers
Später ausgewertete Kameraaufnahmen sollen ein anderes Bild ergeben. Die Drohne soll zunächst gegen die Tragfläche einer geparkten Antonow geprallt und anschließend zu Boden gestürzt sein.
Der Busfahrer kam demnach erst später ins Spiel.
Er soll die Drohne am Boden entdeckt haben.
Das ist zweifellos wichtig. Vielleicht sogar ausgesprochen mutig.
Aber es ist etwas völlig anderes als ein spektakulärer Drohnen-Dropkick aus der Luft.
Und genau hier wird es interessant.
Denn zwischen Drohne wird von Busfahrer aus der Luft getreten und Drohne prallt gegen Antonow und wird später von Busfahrer entdeckt liegen nicht ein paar unwichtige Details.
Das sind zwei völlig unterschiedliche Geschichten.
Wie aus einer Information eine Heldensaga wird
Natürlich kann man Politikern zugutehalten, dass erste Informationen in einer dynamischen Gefahrenlage falsch oder unvollständig sein können.
Aber genau deshalb sollte man mit solchen Informationen vorsichtig umgehen.
Besonders dann, wenn es um Sprengstoff, Drohnen, Flughäfen und mögliche Anschlagsgefahren geht.
Denn eine Regierung ist keine PR-Agentur.
Ein Lagebriefing ist kein Drehbuch.
Und ein Busfahrer ist kein Actionheld, nur weil sich eine Geschichte gut erzählen lässt.
Was Bürger erwarten dürfen, ist eine nüchterne Kommunikation:
- Was ist passiert?
- Was wissen wir sicher?
- Was wird noch untersucht?
Nicht:
Wir haben da einen Helden mit einem Dropkick.
Die Wahrheit ist manchmal weniger spektakulär
Das eigentlich Bemerkenswerte an dieser Geschichte ist deshalb nicht einmal die Drohne.
Es ist die Geschwindigkeit, mit der aus einem noch nicht vollständig geklärten Ereignis eine fertige Erzählung entstehen kann.
- Eine Erzählung mit Gefahr.
- Eine Erzählung mit einem Helden.
Und natürlich mit einem spektakulären Finale.
Nur hat die Realität offenbar beschlossen, ihr eigenes Drehbuch zu schreiben.
Und in diesem Drehbuch spielt eine Antonow möglicherweise eine wesentlich größere Rolle als der berühmte Fuß des Busfahrers.
Das ist peinlich.
Nicht für den Busfahrer.
Für diejenigen, die aus vorläufigen Informationen eine Heldengeschichte gemacht haben.
Vertrauen ist kein Fußball
Man kann Fakten nicht wie einen Ball hin und her kicken.
Heute lautet die Geschichte A.
Morgen zeigen Kameraaufnahmen möglicherweise B.
Und übermorgen stellt sich heraus, dass manches davon weder A noch B war.
Genau deshalb wäre es klüger gewesen, zunächst abzuwarten.
Denn wenn sich eine spektakuläre Darstellung als falsch herausstellt, bleibt beim Bürger nicht nur die Frage nach dem konkreten Vorfall zurück.
Es bleibt die viel größere Frage:
Wie oft bekommen wir eigentlich eine politische Version der Realität präsentiert, bevor die tatsächlichen Fakten feststehen?
Das ist keine Kleinigkeit.
Das ist eine Frage des Vertrauens.
Schluss mit der politischen Action-Regie
Der Fall Leipzig/Halle sollte deshalb eine Lehre sein.
Bei sicherheitsrelevanten Ereignissen braucht Deutschland keine politischen Actionhelden.
Wir brauchen Transparenz, Fakten und eine saubere Trennung zwischen Erkenntnissen und Vermutungen.
Wenn ein Busfahrer tatsächlich eine gefährliche Drohne entdeckt hat, darf man ihm dafür selbstverständlich Anerkennung zollen.
Aber man muss ihm keinen erfundenen Dropkick andichten.
Denn am Ende bleibt eine ziemlich bizarre Pointe:
Der spektakuläre Fußtritt, über den alle reden, soll gar nicht stattgefunden haben.
Dafür soll eine Antonow die Drohne gestoppt haben.
Vielleicht sollte man deshalb künftig nicht mehr fragen:
Wer war der Held?
Sondern zuerst:
Was ist tatsächlich passiert?
Denn eine Regierung, eine Behörde und auch Medien sollten sich an eine einfache Regel halten:
Erst die Fakten. Dann die Heldengeschichte.
Und wenn es keine Heldengeschichte gibt?
Dann erfindet man besser auch keine.
André Braselmann
Ich bin unabhängiger freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Südpfalz.
- Ich berichte über Ereignisse, Menschen und Entwicklungen aus unserer Region.
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