Herxheim und die leise Lücke an der Oberen Hauptstraße

Herxheim ist ein Ort, der viel von sich hält – zu Recht. Historischer Ortskern, gewachsene Nachbarschaften, ein ausgeprägtes Bewusstsein für Tradition. Und doch gibt es Veränderungen, die hier nicht diskutiert, sondern einfach vollzogen werden. Still. Kommentarlos. So wie das Verschwinden der Marienfigur von der Straßenfassade an der Oberen Hauptstraße.

Wo jahrzehntelang eine Immaculata in ihrer Nische stand, bleibt heute nur Leere. Kein Hinweis, kein erklärendes Wort, kein sichtbares Bedauern. Wer täglich durch den Ortskern geht, bemerkt die Lücke – und fragt sich unwillkürlich: Seit wann ist sie weg? Und warum?

Man kann das achselzuckend hinnehmen. Man kann sagen: Privatbesitz, andere Zeiten, andere Prioritäten. Doch das greift zu kurz. Denn diese Figur war kein beliebiges Objekt hinter geschlossenen Türen. Sie war Teil des öffentlichen Raums, Teil des Herxheimer Straßenbildes, Teil dessen, was diesen Ort über Jahrzehnte geprägt hat – ob man religiös ist oder nicht.

Gerade in Gemeinden wie Herxheim, die von Nähe, Wiedererkennung und Kontinuität leben, haben solche Details Gewicht. Fassadenfiguren sind keine Dekoration. Sie sind Erinnerungsträger. Und Erinnerung verschwindet nicht folgenlos, nur weil niemand laut darüber spricht.

Auffällig ist nicht allein die Entfernung der Figur. Auffällig ist das Schweigen danach. Kein Schild, kein Hinweis, keine Einordnung. Als habe es diese Figur nie gegeben. Doch viele Herxheimerinnen und Herxheimer wissen es besser. Sie erinnern sich. Und sie spüren, dass hier etwas aus dem Ortsbild gestrichen wurde, ohne dass es jemand erklärt hat.

Die leere Nische an der Oberen Hauptstraße ist kein Skandal. Aber sie ist ein Spiegel. Sie zeigt, wie leicht es geworden ist, Geschichte im Kleinen verschwinden zu lassen – in der Hoffnung, niemand werde es bemerken. In Herxheim aber bemerkt man so etwas. Vielleicht nicht laut, aber nachhaltig.

Die Frage ist also nicht, ob die Figur hätte bleiben müssen. Die Frage ist: Warum traut man den Menschen in Herxheim keine Erklärung zu? Ein Ort, der seine Geschichte ernst nimmt, sollte zumindest den Mut haben, über ihr Verschwinden zu sprechen.

Ein liebes Dankeschön geht an Frau Claudia Licht vom Pfalz-Express, die diesen Artikel als Leserbrief veröffentlicht hat.

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