Moral auf Bestellung – Wie deutsche Unternehmen das Rückgrat verwechseln.
Es ist ein merkwürdiges Schauspiel, das sich in deutschen Vorstandsetagen abspielt. Kaum weht auf #X, Instagram oder LinkedIn ein Hauch empörter Entrüstung, greifen Kommunikationsabteilungen hektisch zum Krisenleitfaden. Ein paar Dutzend Aktivisten empören sich – und millionenschwere Konzerne knicken ein wie Gartenstühle im Sturm.
Nicht der Markt diktiert dann die Richtung. Nicht Innovation, nicht Wettbewerb, nicht Kundenbindung. Sondern Lautstärke.
Wer heute in Deutschland ein größeres Unternehmen führt, scheint vor allem eines fürchten zu müssen: den digitalen Pranger. Ein Shitstorm ersetzt die Hauptversammlung. Moralische Empörung wird zur inoffiziellen Kontrollinstanz. Und das Erstaunliche daran: Die Wirtschaft spielt dieses Spiel bereitwillig mit.
Natürlich reagieren Unternehmen auf gesellschaftliche Strömungen. Das gehört zur Marktwirtschaft. Doch was wir erleben, ist oft kein selbstbewusstes Positionieren, sondern präventive Unterwerfung. Logos werden eingefärbt, Kooperationen beendet, Distanzierungserklärungen veröffentlicht – nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst.
Angst vor Boykott.
Angst vor medialer Kampagne.
Angst vor dem falschen Hashtag.
Dabei wäre gerade wirtschaftliche Stärke Ausdruck von Souveränität. Wer Milliarden umsetzt, sollte nicht vor ein paar tausend empörten Kommentaren zittern. Unternehmerischer Mut bedeutet nicht nur Investitionsrisiko – er bedeutet auch Haltungsstärke. Wer jeden Aktivistenruf zur strategischen Leitlinie erhebt, ersetzt Management durch Stimmungsanalyse.
Die Ironie: Während Unternehmen öffentlich Diversität und Pluralität predigen, zeigen sie intern oft erstaunliche Einseitigkeit. Kontroverse Positionen werden gemieden. Risiko nicht mehr wirtschaftlich, sondern reputativ definiert. Lieber konform als konfliktfähig.
Doch Demokratie lebt vom Widerspruch. Und Marktwirtschaft vom Wettbewerb – auch im Denken.
Es geht nicht darum, Aktivismus mundtot zu machen. Zivilgesellschaftlicher Druck ist legitim. Er gehört zur offenen Gesellschaft. Aber ebenso legitim ist unternehmerische Eigenständigkeit. Wer sich dauerhaft treiben lässt, gibt die strategische Hoheit ab.
Deutschland braucht keine moralisch betreuten Konzerne.
Es braucht wirtschaftlich starke Unternehmen mit Rückgrat.
Die Frage ist nicht, ob Unternehmen Haltung zeigen dürfen.
Die Frage ist, ob sie noch eine eigene haben.
Gemeinsam für die Region
André Braselmann ist ein unabhängiger Freier Journalist aus der Verbandsgemeinde Rülzheim in der Region Südpfalz. Er berichtet über das, was vor Ort passiert – offen, kritisch und nah an den Menschen.
Er arbeitet ohne Zwangsgebühren, ohne Steuergelder und ohne finanzielle Großsponsoren.
Was er tut, tu er für die Gesellschaft – und nur mit Ihrer Unterstützung.
Denn guter lokaler Journalismus entsteht nicht von allein.
Es braucht Menschen, die hinschauen, mitdenken und mittragen.
"Unterstützen Sie mich, damit unsere Region weiterhin eine starke, unabhängige Stimme hat."
1000 Dank!
Ihr Südpfalzreporter André Braselmann
PayPal • whydonate

