Es ist ein wiederkehrendes Schauspiel: Kaum verbessert sich die Umfragekurve der Alternative für Deutschland, hört man das Klicken der Rollkoffer. Prominente kündigen öffentlichkeitswirksam an, „dieses Land“ verlassen zu wollen. Tweets werden zu Abschiedsbriefen, Talkshow-Auftritte zu Auswanderungsseminaren.
Was bemerkenswert ist: Nicht das Wahlergebnis wird diskutiert, sondern dessen moralische Zulässigkeit. Demokratie – ja, aber bitte mit ideologischer TÜV-Plakette. Stimmen Millionen Bürger „falsch“, wird nicht argumentiert, sondern gepackt.
Man könnte fast meinen, es handle sich um eine neue olympische Disziplin: Empörungs-Exodus im Synchronformat. Goldmedaille für die dramatischste Standortdrohung.
Dabei hat etwas unfreiwillig Komisches: Wer jahrelang „Vielfalt“ predigt, reagiert auf politische Vielfalt mit Fluchtgedanken. Wer „Demokratie verteidigen“ ruft, scheint sie nur so lange zu meinen, wie sie das gewünschte Resultat liefert.
Natürlich darf jeder gehen. Reisefreiheit ist kein Gnadenakt. Aber vielleicht zeigt das ständige „Dann bin ich weg!“ weniger Stärke als gedacht. Demokratie ist kein Wellnessbereich. Sie ist kein Wunschkonzert. Sie ist auch kein ideologischer Safe Space mit Kuscheldecke.
Vielleicht wäre Gelassenheit die eigentliche Provokation.
Statt dramatischer Abschiedspostings einfach bleiben. Aushalten. Diskutieren. Überzeugen. Oder akzeptieren, dass nicht alle Nachbarn den eigenen moralischen Kompass teilen.
Und falls doch jemand geht?
Deutschland hat schon ganz andere Dramaturgien überstanden als ein paar symbolisch gepackte Koffer am Flughafen.
Wer meint, Deutschland nur unter Vorbehalt ertragen zu können, dem halten wir die Tür auf – und helfen gern beim Kofferpacken.
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