Operative Verfahren zur Gewichtsreduktion

Operative Verfahren zur Gewichtsreduktion

Operative Verfahren zur Gewichtsreduktion kommen in der Regel bei schwerer Adipositas zum Einsatz, wenn konservative Maßnahmen (Ernährung, Bewegung, Verhaltenstherapie) langfristig nicht ausreichend wirken. Ziel ist eine nachhaltige Gewichtsabnahme und die Verbesserung von Begleiterkrankungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder Schlafapnoe.

Die wichtigsten Verfahren im Überblick

Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie)

  • Ein Großteil des Magens wird entfernt → schlauchförmiger Restmagen
  • Weniger Hunger durch reduzierte Ghrelin-Produktion
  • Keine Umleitung des Darms
    Vorteile: effektiv, vergleichsweise technisch einfacher Eingriff
    Nachteile: nicht rückgängig zu machen, mögliches Sodbrennen

Magenbypass (Roux-en-Y)

  • Kleiner Magenpouch + Umgehung eines Teils des Dünndarms
  • Kombination aus verminderter Nahrungsaufnahme und reduzierter Nährstoffaufnahme
    Vorteile: sehr wirksam, besonders bei Diabetes Typ 2
    Nachteile: lebenslange Vitamin- und Spurenelement-Supplementierung nötig

Mini-Magenbypass (Omega-Loop)

  • Vereinfachte Form des klassischen Bypasses
  • Nur eine Dünndarmschlinge
    Vorteile: kürzere OP-Zeit, gute Gewichtsreduktion
    Nachteile: möglicher Gallenrückfluss, ebenfalls Supplemente nötig

Magenband (heute selten)

  • Verstellbares Band am oberen Magen
  • Begrenzung der Nahrungsmenge
    Vorteile: reversibel, kein Entfernen von Magenanteilen
    Nachteile: geringere Langzeiterfolge, häufige Folgeoperationen

Für wen kommen diese Eingriffe infrage?

  • BMI ≥ 40 oder
  • BMI ≥ 35 mit relevanten Begleiterkrankungen
  • Nach strukturierter Vorbehandlung und interdisziplinärer Prüfung

Wichtig zu wissen

  • Operationen sind kein „leichter Ausweg“, sondern ein Werkzeug
  • Lebenslange Nachsorge, Ernährungsumstellung und regelmäßige Kontrollen sind entscheidend
  • Psychologische Begleitung wird dringend empfohlen

Der Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie)

Der Schlauchmagen
Bild von André Braselmann

Was ist ein Schlauchmagen?

Die Schlauchmagenoperation zählt neben dem Roux-Y-Magenbypass zu den Standardoperationen in der Adipositaschirurgie. Bei diesem Eingriff werden etwa 90 % des Magenvolumens entfernt, sodass der verbleibende Magen am Ende der Operation nur noch ein Fassungsvermögen von rund 70 Millilitern besitzt.

Der entfernte Magenanteil wird vollständig entnommen und sein Volumen gemessen. Ab einem entfernten Volumen von mindestens 500 Millilitern tritt der gewünschte Effekt der Gewichtsreduktion ein.

Wie funktioniert die Schlauchmagenoperation?

Die Schlauchmagenoperation gehört zu den restriktiven Verfahren der bariatrischen Chirurgie. Das bedeutet, dass die Nahrungsaufnahme durch die Verkleinerung des Magens deutlich eingeschränkt wird.

Darüber hinaus wirkt der Eingriff auch hormonell. Durch die Entfernung des Magenteils, in dem das Hungerhormon Ghrelin produziert wird, verspüren viele Patienten deutlich weniger Hunger. Das Sättigungsgefühl tritt bereits nach kleinen Mahlzeiten ein.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gewichtsabnahme

Eine dauerhafte Gewichtsreduktion gelingt nur, wenn der operative Eingriff mit einer nachhaltigen Änderung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten kombiniert wird.

Wie bei allen bariatrischen Eingriffen ist eine langfristige Ernährungsumstellung entscheidend für den Behandlungserfolg.

Vitaminversorgung nach der Operation

Nach einer Schlauchmagenoperation sollte lebenslang auf eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen geachtet werden.

Insbesondere Vitamin B12 muss regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls substituiert werden, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Ablauf der Schlauchmagenoperation

Die Operation erfolgt heute in der Regel laparoskopisch (minimalinvasiv) über vier bis fünf kleine Schnitte in der Bauchdecke.

Vor dem Eingriff ist eine etwa zweiwöchige Flüssigphase einzuhalten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dadurch verschiedene Organfunktionen verbessert und das Operationsrisiko gesenkt werden können.

Zusätzlich verbessert eine präoperative Gewichtsabnahme von etwa fünf Prozent des Körpergewichts die langfristigen Erfolgsaussichten.

Für wen eignet sich ein Schlauchmagen?

Grundsätzlich kann die Operation bei nahezu allen Patienten mit morbider Adipositas durchgeführt werden – unabhängig von Alter, BMI oder Begleiterkrankungen.

Eine Ausnahme stellt ein histologisch gesicherter Barrett-Ösophagus dar. In diesen Fällen wird häufig ein anderes Operationsverfahren empfohlen.

Besonderheiten bei sehr hohem BMI

Bei Patienten mit einem BMI über 60 kg/m² kann zunächst eine stationäre konservative Gewichtsreduktion erforderlich sein, um das Operationsrisiko zu senken.

Kombination mit weiteren Operationsverfahren

In besonderen Fällen wird nach einer Schlauchmagenoperation später zusätzlich ein malabsorptives Verfahren, beispielsweise eine biliopankreatische Diversion, durchgeführt. Dadurch kann die Gewichtsabnahme weiter unterstützt werden.

Literatur

Weiner R.A. (2009): Adipositaschirurgie: Indikation und Therapieverfahren. 2. Auflage. Bremen: UNI-MED Verlag.

Weiner R.A., Peterli R. (2012): Laparoscopic Gastric Sleeve. Heidelberg: Springer.

Weiner R.A. (Hrsg.) (2009): Adipositaschirurgie – Operationstechnik, Komplikationsmanagement und Nachsorge. München: Elsevier Urban & Fischer.

Der Roux-Y-Magenbypass

Der Roux Y-Magenbypass
Bild von André Braselmann

Was ist ein Roux-Y-Magenbypass?

Der Roux-Y-Magenbypass zählt weltweit zu den am häufigsten durchgeführten Operationen der bariatrischen Chirurgie.

Innerhalb der ersten beiden Jahre nach dem Eingriff verlieren Patienten durchschnittlich 60 bis 70 Prozent ihres Übergewichts.

Wie funktioniert der Magenbypass?

Während der Operation wird am oberen Mageneingang eine etwa 15 Milliliter große Magentasche (Pouch) gebildet.

Der übrige Magen verbleibt im Körper, wird jedoch von der Nahrungspassage ausgeschlossen.

Anschließend wird die Magentasche direkt mit einem Abschnitt des Dünndarms verbunden, wodurch ein Teil des Dünndarms umgangen wird.

Wirkung auf Gewicht und Stoffwechsel

Der Gewichtsverlust entsteht vor allem durch die deutlich reduzierte Nahrungsaufnahme.

Zusätzlich verändern sich verschiedene Darmhormone wie GLP-1 und Ghrelin, wodurch das Hungergefühl sinkt und die Blutzuckerregulation verbessert wird.

Vorteile für Menschen mit Diabetes

Der Roux-Y-Magenbypass gilt als besonders wirksam bei Typ-2-Diabetes.

Bereits wenige Tage nach der Operation benötigen viele Patienten deutlich weniger blutzuckersenkende Medikamente oder Insulin. In einigen Fällen kann die medikamentöse Behandlung langfristig vollständig entfallen.

Aus diesem Grund werden im Rahmen wissenschaftlicher Studien inzwischen auch Patienten mit einem BMI zwischen 26 und 35 kg/m² und insulinpflichtigem Diabetes operiert.

Behandlung von Reflux

Ein weiterer Vorteil des Roux-Y-Magenbypasses besteht darin, dass ein gastroösophagealer Reflux häufig vollständig verschwindet.

Deshalb gilt der Eingriff als besonders geeignet für Patienten mit ausgeprägtem Sodbrennen oder chronischer Refluxkrankheit.

Ablauf der Operation

Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv über vier bis fünf kleine Schnitte in der Bauchdecke.

Auch hier ist vor der Operation eine etwa zweiwöchige Flüssigphase erforderlich, um die Leber zu verkleinern und die Operationsbedingungen zu verbessern.

Eine Gewichtsreduktion von etwa fünf Prozent des Körpergewichts vor der Operation verbessert zusätzlich die langfristigen Ergebnisse.

Nachsorge und Vitaminversorgung

Der langfristige Erfolg hängt entscheidend von einer dauerhaften Ernährungsumstellung ab.

Da beim Magenbypass die Aufnahme verschiedener Nährstoffe vermindert wird, müssen Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe lebenslang ergänzt und regelmäßig kontrolliert werden, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Literatur

Müller-Stich BP et al. Surgical Versus Medical Treatment of Type 2 Diabetes Mellitus in Nonseverely Obese Patients. Annals of Surgery (2014).

Weiner R. et al. Antidiabetic efficacy of obesity surgery in Germany. Surgical Obesity and Related Diseases (2014).

Weiner R.A. (2009): Adipositaschirurgie: Indikation und Therapieverfahren.

Weiner R.A. (Hrsg.) (2009): Adipositaschirurgie – Operationstechnik, Komplikationsmanagement und Nachsorge

 

 

 

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