Operative Verfahren zur Gewichtsreduktion

Operative Verfahren zur Gewichtsreduktion kommen in der Regel bei schwerer Adipositas zum Einsatz, wenn konservative Maßnahmen (Ernährung, Bewegung, Verhaltenstherapie) langfristig nicht ausreichend wirken. Ziel ist eine nachhaltige Gewichtsabnahme und die Verbesserung von Begleiterkrankungen wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck oder Schlafapnoe.

Die wichtigsten Verfahren im Überblick

1. Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie)

  • Ein Großteil des Magens wird entfernt → schlauchförmiger Restmagen
  • Weniger Hunger durch reduzierte Ghrelin-Produktion
  • Keine Umleitung des Darms
    Vorteile: effektiv, vergleichsweise technisch einfacher Eingriff
    Nachteile: nicht rückgängig zu machen, mögliches Sodbrennen

2. Magenbypass (Roux-en-Y)

  • Kleiner Magenpouch + Umgehung eines Teils des Dünndarms
  • Kombination aus verminderter Nahrungsaufnahme und reduzierter Nährstoffaufnahme
    Vorteile: sehr wirksam, besonders bei Diabetes Typ 2
    Nachteile: lebenslange Vitamin- und Spurenelement-Supplementierung nötig

3. Mini-Magenbypass (Omega-Loop)

4. Magenband (heute selten)

  • Verstellbares Band am oberen Magen
  • Begrenzung der Nahrungsmenge
    Vorteile: reversibel, kein Entfernen von Magenanteilen
    Nachteile: geringere Langzeiterfolge, häufige Folgeoperationen

Für wen kommen diese Eingriffe infrage?

Wichtig zu wissen

Beispiele für operative Verfahren

Der Schlauchmagen
Bild von André Braselmann

Der Schlauchmagen

Die Schlauchmagenoperation ist neben dem Roux-Y Magenbypass eine der Standardoperationen in der Adipositaschirurgie. Bei der Schlauchmagenoperation wird 90% des Magenvolumens entfernt, so dass der Magen am Ende der Operation ein Volumen von ca. 70 ml fasst.

Der abgetrennte Magen wird entfernt und das Volumen gemessen. Ab einem entfernten Volumen von mindestens 500 ml tritt der Effekt der Gewichtsreduktion ein. Die Operation gehört zu den restriktiven Verfahren (Magenverkleinerung) in der Adipositaschirurgie, wirkt jedoch auch hormonell über die Reduktion des Hormons Ghrelin (Hungerhormon).

Durch die Magenverkleinerung wird das Sättigungsgefühl schon nach kleinen Mengen an Nahrung erreicht, durch die fehlende Ghrelinproduktion bleibt ein neu auftretendes Hungergefühl aus.

Eine parallele Änderung des Essverhaltens und daraus resultierend des Lebensstils ist wie bei jedem adipostiaschirurgischen Eingriff für den Erfolg unabdingbar. Eine lebenslange Vitaminsubstitution sollte nach der Operation erfolgen. Im Speziellen sollte Vitamin B12 regelmäßig substituiert werden, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Die Schlauchmagenbildung wird laparoskopisch, d.h. über 4-5 Einstiche in die Bauchdecke, durchgeführt. Vor der Operation ist eine zweiwöchige Flüssigphase einzuhalten. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass es hierdurch zu einer Verbesserung der verschiedenen Organfunktionen kommt, was die Grundlage für einen erfolgreichen und sicheren Operationsverlauf ist. Zudem führt eine präoperative Gewichtsreduktion von ca. 5 % des Körpergewichtes zu einer besseren langfristigen Gewichtsabnahme.

Die Operation kann außer bei einem histologisch gesicherten Barrett- Ösophagus (Schleimhautveränderungen in der Speiseröhre) bei jedem morbid adipösen Patienten, unabhängig von Alter, BMI und Begleiterkrankungen durchgeführt werden.

Bei Patienten mit einem extrem hohen BMI (BMI > 60kg/m²) ist es manchmal primär erforderlich eine konservative Therapie zur Gewichtsreduktion unter stationären Bedingungen durchzuführen, um das Operationsrisiko zu minimieren.

In besonderen Fällen wird im Anschluss an die Schlauchmagenoperation ein malabsorptives Verfahren (biliopankreatische Diversion) durchgeführt.

Literatur:

Weiner R.A.(2009) Adipositaschirurgie: Indikation und Therapieverfahren. 2. Auflage. Bremen. UNI-MED Verlag, ISBN 978-3-8374-1134-8
Weiner R.A., Peterli R. (2012) Laparoscopic gastric sleeve; Heidelberg, Springer Verlag, ISBN 978-6-3422-3889-5.
Weiner R.A. (Hrsg.) (2009) Adipositaschirurgie:Operationstechnik, Komplikationsmanagement und Nachsorge. München, Elsevier, Urban&Fischer Verlag. ISBN 978-3-437-23025-7.

Der Roux Y-Magenbypass
Bild von André Braselmann

Der Roux Y-Magenbypass

Der Roux Y- Magenbypass ist eine der Standardoperationen in der Adipositaschirurgie und zählt zu den weltweit am häufigsten durchgeführten Verfahren. Der Eingriff führt zu einer Gewichtsreduktion von 60 % bis 70% des Übergewichtes in den ersten zwei Jahren nach der Operation.

Im Rahmen der Operation wird am Mageneingang eine etwa 15 ml fassende Tasche (sogenannter Magenpouch oder Vormagen) gebildet. Der Hauptteil des Magens wird ausgeschaltet, verbleibt jedoch im Patienten. Die Magentasche wird anschließend mit dem Dünndarm verbunden, wobei eine bestimmte Strecke des Dünndarms von der Nahrungspassage ausgeschlossen wird.
Der Hauptmechanismus für den Gewichtsverlust ist die Nahrungsrestriktion. Hormonale Veränderungen (GLP-1 Hormon, Ghrelin) unterstützen nicht nur die Gewichtsabnahme, sondern beeinflussen auch die Insulinregulation.

Aus diesem Grund ist das Verfahren besonders bei Diabetikern geeignet, da es häufig schon nach wenigen Tagen zu einer Reduktion der oralen Antidiabetika und sogar der Insulinzufuhr kommt. Teilweise kann im Verlauf die Therapie vollkommen beendet werden. Aus diesem Grund werden im Rahmen von Studien (DiaSurg2 – Studie) mittlerweile auch Patienten mit einem BMI zwischen 26 bis 35kg/m² und einem insulinplfichtigen Diabetes operiert.

Der Magenbypass beseitig zudem auch einen gastroösophagealen Reflux und ist dadurch eine effektive Therapiemaßnahme zur Behandlung von Refluxbeschwerden. Die Magenbypassoperation wird laparoskopisch, d.h. über 4-5 Einstiche in die Bauchdecke, durchgeführt. Vor der Operation ist eine zweiwöchige Flüssigphase einzuhalten. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass es hierdurch zu einer Verbesserung der verschiedenen Organfunktionen kommt, was die Grundlage für einen erfolgreichen und sicheren Operationsverlauf ist. Zudem führt eine präoperative Gewichtsreduktion von ca. 5 % des Körpergewichtes zu einer besseren langfristigen Gewichtsabnahme.

Eine parallele Änderung des Essverhaltens und daraus resultierend des Lebensstils ist wie bei jedem adipostiaschirurgischen Eingriff für den Erfolg unabdingbar. Eine lebenslange Substitution von Vitaminen und Spurenelementen ist elementar, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.

Literatur:

Müller-Stich BP, Senft JD, Warschkow R, Kenngott HG, Billeter AT, Vit G, Helfert S, Diener MK, Fischer L, Büchler MW, Nawroth PP. Surgical Versus Medical Treatment of Type 2 Diabetes Mellitus in Nonseverely Obese Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis. Ann Surg. 2014 Nov 17
Weiner R, El-Sayes I, Manger T, Weiner S , Lippert H, Stroh C; Obesity Surgery Working Group, Competence Network Obesity. Antidiabetic efficacy of obesity surgery in Germany: a quality assurance nationwide survey. Surg Obes Relat Dis. 2014 Mar-Apr;10(2):322-7.
Weiner R.A.(2009) Adipositaschirurgie: Indikation und Therapieverfahren. 2. Auflage.Bremen:UNI-MED Verlag , ISBN 978-3-8374-1134-8.
Weiner R.A. (Hrsg.) (2009) Adipositaschirurgie: Operationstechnik, Komplikationsmanagement und Nachsorge. München. Elsevier Urban&Fischer. ISBN 978-3-437-23025-7.

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