Delfintherapie - schwimmende Therapeuten
Konzept und Wirksamkeit der Delfintherapie
Er ist Filmstar und Bälle werfender Clown in Vorführungen, wird als Beifang in Thunfischnetzen verletzt und getötet, und hat mittlerweile eine Art Status als Wunderheiler in Medienberichten – die Rede ist vom Delfin. Seit Jahren gibt es immer mehr Delfintherapien für behinderte Kinder in Urlaubsländern, oft haben sie positive Effekte, doch sie sind auch sehr teuer. Psychologen der Universität Würzburg haben im Delfinarium des Nürnberger Tiergartens diese Therapie mehrere Jahre lang getestet.
Arion, griechischer Dichter und Sänger aus Lesbos, geboren um 600 v. Chr., hatte der Legende nach ein besonderes Verhältnis zu den Meeressäugern: als ihn Schiffer auf hoher See berauben wollten, sprang er kurzerhand ins Meer. Ein Delfin nahm ihn auf seinen Rücken und trug ihn an die Küste. Sagen, Geschichten und Filme um den intelligenten und sympathischen Meeressäuger hat es schon immer gegeben.
Delfine in der Therapie
Seit rund 20 Jahren haben Delfine auch einen guten Ruf als Therapeuten - meist Kinder mit schweren geistigen oder körperlichen Behinderungen sollen besonders gut auf diese Therapieform ansprechen. Ein klar definiertes Krankheits- oder Behinderungsbild, auf das die Delfintherapie konkret zugeschnitten ist, gibt es übrigens nicht. Sie wird eingesetzt bei Kindern oder Erwachsenen mit Down-Syndrom, Autismus oder Cerebralparese (eine Bewegungsstörung aufgrund einer frühkindlichen Hirnschädigung), bei traumatisierten Menschen oder Patienten im Wachkoma.
Delfinherapie in den USA
1987 schon hat der amerikanische Verhaltensforscher und Neurologe David E. Nathanson die Wirkung von Delfinen auf Kinder untersucht. Die von ihm entwickelte Therapieform "Dolphin Human Therapy" (DHT) zeigte beachtliche Erfolge. Kinder lernten mit Hilfe der Großen Tümmler - denn diese setzt man in der Therapie ein - viermal schneller als ohne die Meeressäuger.
Eine weitere Studie von Dr. Nathanson am Dolphin Research Center, die an Hydrocephalie (Wasserkopf) oder unter Sprach- und Gedächtnisstörungen litten, bestätigte die Ergebnisse. Die Kinder konnten sich beim Spiel mit den tierischen Therapeuten deutlich besser konzentrieren und entspannen. Von da an konnten Hunderte Kinder und Erwachsene aus allen Teilen der Welt an der Dolphin Human Therapie teilnehmen. Es wurden pro Jahr 400 Kinder von den dort lebenden Delphinen "betreut" - bis Ende Oktober 2006, nachdem zahlreiche Hurricanes Florida attackiert hatten, ist dort die Delfintherapie bis auf weiteres eingestellt. Ob und wo die DHT fortgeführt wird, ist derzeit nicht klar.
Zahllose Medienberichte über wundersame Heilungserfolge von Delfintherapien hatten und haben bei Eltern von Kindern mit schweren Behinderungen große Hoffnungen geweckt. Etliche teils unseriöse Anbieter aus aller Welt haben zu hohen Preisen ihre Therapiekonzepte angeboten. Weltweit gibt es wohl an die Hundert Therapiezentren, die eine Therapie anbieten. Die Kosten, die die Krankenkassen nicht übernehmen, erreichen schnell 15 000 bis 20 000 Euro, da Flug, Hotel usw. zusätzlich zur eigentlichen Therapie aufgebracht werden müssen.
Delfintherapie ist auch in Deutschland möglich
Delfintherapie hat überhaupt nichts mit den scheinbar vergnüglichen Clownereien abgerichteter Delfine zu tun. 1998 wurde an der Universität Würzburg am Institut für Psychologie das Forschungsprojekt zur Evaluation der Delfintherapie speziell für Kinder gegründet. Dort arbeitet der Psychologe Erwin Breitenbach. Das Ziel der Therapie mit den Tümmlern ist auf Kommunikation ausgerichtet: die Arbeit mit den Tieren sollen sie aktiver auf andere Menschen zugehen, denn aufgrund der Behinderung seit ihrer Geburt findet nur wenig Kommunikation mit der Umwelt statt. Die Delfintherapie der Uni Würzburg findet im Delfinarium des Nürnberger Zoos statt. Hier wurde ein Konzept für die Behandlung von Kindern mit unterschiedlichen Behinderungen wie Down-Syndrom, körperliche Behinderung, geistige Behinderung und Autismus im Alter von fünf bis zehn Jahren entwickelt. Auch am aktuellen Forschungsprojekt können Kinder in diesem Altersbereich teilnehmen.
Die Psychologen der Universität Würzburg wollten herausfinden, was tatsächlich die positive Wirkung auslöst - das Bewegen im warmen Wasser, die Urlaubsatmosphäre, die die ganze Familie entspannt, die Tiere selbst oder die begleitende therapeutische Betreuung. Die ersten Ergebnisse haben gezeigt: Die Kinder werden schon nach einer Therapiewoche aufgeschlossener und selbstsicherer. Sie lernen sich trotz ihrer teils schweren Behinderung mit Worten, Gesten Mimik und besser verständlich zu machen. Eltern ihrerseits lernen, ihre Kinder sensibler zu beobachten und deren Signale besser zu verstehen.
Eine besondere Urlaubsatmosphäre mit Palmen und Strand gibt es in Nürnberg nicht. Die Kinder müssen auch nicht im Wasser sein. Es sind vor allem die Tiere selbst, die auf die Kinder eine „Eisbrecher-Funktion" ausüben. Manche lernen, Gefühle zu zeigen, Worte oder ganze Sätze zu sprechen, sind befreiter im Umgang mit anderen oder haben einfach nur Spaß.
Delfin - Das Tier des Jahres 2007
Delfine haben Konjunktur und sind überaus beliebt. In vielen Meeresregionen, in denen sie leben, werden Beobachtungstouren angeboten, manchmal kombiniert mit der Möglichkeit mit den Tieren zu schwimmen. Die Umweltstiftung WWF verweist jedoch darauf, dass es auch unseriöse Touranbieter gibt, die geschützte Gebiete nicht respektierten. Darauf sollten Touristen achten. Denn die weltweit 34 marinen und fünf Flussdelfinarten erheblich bedroht. Daher haben die Vereinten Nationen 2007 zum Jahr des Delfins erklärt.
(Quelle: www.gesundheit.de)










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